Tatort Ausbildung
[Druckversion] Thema: Ausbildung, Solidarität - Sozialistische Zeitung Nr. 81, veröffentlicht: 25.07.2009
Zahl der Ausbildungsplätze sinkt, Jugendarmut steigt
Es liegt bekanntlich in der Natur des Kapitalismus, dass in
Krisenzeiten immer jene am meisten bluten müssen, die nicht den
geringsten Anteil am Bankrott des Systems haben. So meldet die
DGB-Jugend, dass derzeit weniger als 50 Prozent eines Azubi-Jahrgangs
vom jeweiligen Unternehmen nach Ende der Ausbildung übernommen werden.
Die konservative Prognose der Deutsche Industrie- und Handelskammer
(DIHK) rechnet für 2009 mit zehn Prozent weniger Ausbildungsplätzen.
von Christian Baron, Trier
Bereits im Mai dieses Jahres standen 100 Bewerberinnen und Bewerbern
offiziell nur 84 Lehrstellen zur Verfügung, das sind 5,4 Prozent weniger
als im Mai des Vorjahres. Laut DGB fehlten im Mai insgesamt 85.836
betriebliche Ausbildungsplätze. Dazu kommen aber 350.000 sogenannte
AltbewerberInnen ohne Lehrstelle, so ver.di.
Von Kurzarbeit sind neben ArbeitnehmerInnen auch Azubis betroffen. Dabei
ist es nicht weniger als ein Skandal, dass die ohnehin viel zu dürftige
Regelung zum Kurzarbeitergeld für Auszubildende nicht gilt, weil es sich
rechtlich gesehen bei der Ausbildungsvergütung um eine Art
„Erziehungsgeld“ handelt. Stattdessen sollen sich die Jugendlichen in
diesem Fall damit begnügen, lediglich sechs Wochen regulär weiterbezahlt
zu werden, während für die Folgezeit kein rechtlicher Anspruch mehr
besteht.
Bereits jetzt sind hierzulande mehr als eine Million Jugendliche auf
Hartz IV angewiesen, von denen die meisten sich ohne grundlegende
gesamtgesellschaftliche Veränderungen kaum jemals aus ihrer Armut
befreien können.
So ist nun zu vermuten, dass vielen Jugendlichen binnen kürzester Zeit
die Pistole auf die Brust gesetzt wird: entweder eine Vereinbarung zur
Senkung der Ausbildungsvergütung unterschreiben oder der
Ausbildungsplatz wird gestrichen. Unabdingbar ist, gerade im Zuge des
erfolgreichen Bildungsstreiks, die Frage der Jugendarbeitslosigkeit
stets mit der Notwendigkeit zu verbinden, dass einzig die Abschaffung
sämtlicher Profit- und Konkurrenzelemente, der ungehinderte Zu-gang
aller junger Menschen zu kostenfreier Bildung sowie eine gesetzliche
Ausbildungsplatzgarantie Grundvoraussetzungen für die Abschaffung der
massenhaften Verelendung sind.
Forderungen der SAV
- Einen garantierten, wohnortnahen Ausbildungsplatz für jeden
Jugendlichen
- Ausbildungsquote – gemessen an der Beschäftigtenzahl (auf Basis des
Jahres 2008) – von zehn Prozent in jedem Betrieb
- Drastische Erhöhung der Auszubildendenvergütungen auf mindestens 750
Euro plus Warmmiete
- Garantierte und unbefristete Übernahme in den erlernten Beruf
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