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Super-GAU statt Klimakatastrophe?


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Thema: Solidarität - Sozialistische Zeitung Nr. 84, Umwelt, veröffentlicht: 23.11.2009

Längere AKW-Laufzeiten retten die Umwelt nicht, lassen aber die Kassen klingeln

Dank SPD und Grünen laufen immer noch 17 Atomkraftwerke (AKWs) in Deutschland. Erst zwischen 2024 und 2027 sollte der letzte Reaktor vom Netz gehen. Mit dem Koalitionsvertrag der neuen schwarz-gelben Bundesregierung dürfen nun auch die uralten Meiler Biblis A und B, Neckarwestheim 1, Brunsbüttel und Krümmel noch jahrelang weiter strahlen.

von Conny Dahmen, Köln

Die „Laufzeitbefristung der deutschen Kernkraftwerke auf 32 Jahre [wird] aufgehoben“. Stattdessen sollen die Laufzeiten „von Sicherheitsanforderungen“ abhängig sein. Diese Sicherheitsanforderungen werden aber mit den Betreibern selber ausgehandelt!

Versprochen wird dafür ein niedrigerer Strompreis und weniger CO2-Ausstoß. „Wir wollen die Laufzeit der Kernkraftwerke verlängern, weil sie sicher sind und weil wir das brauchen“, so Kanzlerin Angela Merkel.

Nur der Störfall ist sicher

Sicher und notwendig ist die Atom-ernergie auf keinen Fall. In Deutschland gibt es jedes Jahr weit über 100 meldepflichtige „Zwischenfälle“, fünf bis acht Meiler werden aufgrund von Sicherheitsmängeln immer wieder abgeschaltet.

Doch obwohl im Sommer dieses Jahres acht AKWs gleichzeitig vom Netz genommen wurden, ging kein einziges Licht aus. Die Überkapazitäten sind enorm, 2008 konnten die deutschen Energiekonzerne mehr Strom als je zuvor exportieren. Die Netze sind zum Teil so überfüllt, dass Strom aus regenerativen Energien nicht mehr eingespeist werden kann.

Gelddruckmaschinen

Niemand braucht Atomenergie – außer den AKW- Betreibern. Da die Investitionskosten aller deutschen AKWs seit langem abgeschrieben sind, sind sie die reinen Gelddruckmaschinen: Eine Million Euro Gewinn bringt ein Reaktor am Tag. Falls die maroden Meiler nicht vorher zusammenklappen, würden die Atomkonzerne bei einer Laufzeitverlängerung um acht Jahre und einem durchschnittlichen Strompreis von 70 Euro pro Megawattstunde zusammen 65 Milliarden Euro absahnen. Was interessiert angesichts dieser Summen schon der Verbleib von 3.600 Tonnen Atommüll oder einige ungeklärte Leukämieerkrankungen, zum Beispiel im Umfeld des AKW Krümmel?

Grüne Atompolitik?

Dass Vattenfall, E.ON, RWE und EnBW diese Zusatzgewinne für Klimaschutzmaßnahmen einsetzen, glaubt niemand. Schließlich haben diese Energieriesen, die auch mit klimaschädigenden Kohlekraftwerken Riesenprofite einfahren, bisher auch kaum in regenerative Energien investiert. Deren Gewinnquellen so lange wie möglich zu sichern, ist der Hintergrund der Atompolitik der etablierten Parteien.

Die erforderlichen Ressourcen und Konzepte für eine Welt ohne Kern- und Kohleenergie gibt es bereits. Laut einer Studie des Instituts EUtech im Auftrag von Greenpeace könnten erneuerbare Energiequellen bis 2020 mindestens 40 Prozent der Energieversorgung sicherstellen, bis 2050 sogar 100 Prozent. Damit die Energiekonzerne dem nicht weiter im Wege stehen, müssen sie in Gemeineigentum überführt und die alten Kraftwerke durch effizientere und umweltfreundlichere Technologien ersetzt werden. ν

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