Die Stasi – Dämon der Vergangenheit
[Druckversion] Thema: DDR 1989, "DIE LINKE.", Solidarität 87, veröffentlicht: 25.02.2010
LINKE-Politiker im Spagat zwischen DDR- und BRD-Akzeptanz
Auffällig ist das schon: Wenn es um den Osten Deutschlands im
Allgemeinen und die Partei DIE LINKE im Besonderen geht, wird die
Stasi-Keule von Medien und Konservativen schnell geschwungen. Geht es
jedoch um die Vergangenheit der Ost-CDU, die Parteispenden des
Ex-Kanzlers Helmut Kohl oder die Verwicklungen heutiger Geheimdienste,
dann wird geschwiegen und die Akten bleiben zu.
von René Henze, Rostock
Ein gefundenes Fressen für die Rechten: Nach der Bildung der
Koalitionsregierung von SPD und Linkspartei in Brandenburg wurde die
frühere Verbindung zum DDR-Geheimdienst von bislang sieben
LINKEN-Landtagsabgeordneten in der Presse ausgeschlachtet. Doch während
fünf von ihnen, unter anderem die Fraktionsvorsitzende Kerstin Kaiser,
ihre frühere Zusammenarbeit mit der Stasi seit Jahren in der Partei
öffentlich machten, haben andere dazu geschwiegen. Diese sind inzwischen
von ihren Ämtern zurückgetreten. Nun sind neue Vorwürfe gegen
LINKE-Kandidaten zu den Landratswahlen in Brandenburg im Umlauf.
„Unzureichende Auseinandersetzung“
Zwar haben Mitglieder und Mandatsträger der LINKEN die Pflicht, eine
etwaige Zusammenarbeit mit der Staatssicherheit offenzulegen, doch eine
kritische Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit – und damit auch die Frage
des Umgangs mit der Staatssicherheit – ist in der Partei bislang leider
ausgeblieben. Das rächt sich. „Die neuerliche Krise um die inoffizielle
Mitarbeit von MandatsträgerInnen der PDS beim ehemaligen Ministerium für
Staatssicherheit verdeutlicht, dass die PDS sich bis heute völlig
unzureichend mit diesem Problemkomplex auseinandergesetzt hat“
(Beschluss der 2. Tagung des 2. PDS-Parteitages). Dieser aus dem Jahre
1991 stammende Satz trifft auch auf die Linkspartei 2010 zu.
Haltung zur DDR
Kernproblem der Partei ist nicht, dass Mitglieder und Mandatsträger
früher mit der Stasi zusammengearbeitet haben, sondern wie diese heute
dazu stehen und wie die DDR eingeschätzt wird. In den 2007 beschlossenen
„Programmatischen Eckpunkten“ wird offen gelassen, ob das staatliche
Eigentum an den Produktionsmitteln oder die Herrschaft der Bürokratie
für den Zusammenbruch der DDR verantwortlich war. Immer wieder wird von
führenden Funktionären davon gesprochen, dass die DDR ein „Versuch“ des
Sozialismus war. Bei dieser Einschätzung ist es natürlich logisch, dass
man auch die Staatsorgane zur Aufrechterhaltung des vermeintlichen
Sozialismus als Alternative zum (BRD-)Kapitalismus letzten Endes
verteidigt. Das gilt für relevante Teile der Linkspartei – vor allem in
Ostdeutschland, und auch an der Basis.
Zur unkritischen Auffassung von der DDR gesellt sich gerade bei vielen
früheren PDS-Mitgliedern eine Akzeptanz des heute real existierenden
Kapitalismus. „In der BRD angekommen“ (Parteichef Lothar Bisky) wird den
„Sachzwängen“ nachgegeben und auf Beteiligungen an SPD-Regierungen
gesetzt.
Aus der Geschichte lernen
In der DDR gab es keinen Kapitalismus, die Betriebe und der Boden waren
in staatlichem Eigentum. Es gab keine Arbeitslosigkeit und keine
Konzernchefs, Bildung und Gesundheitsversorgung waren für alle
zugänglich. DIE LINKE sollte diese Errungenschaften verteidigen. Das
heißt aber nicht, dass die diktatorischen Seiten verschwiegen oder gar
schön geredet werden. Vielmehr sollten Linke erklären, dass Sozialismus
nichts mit der bürokratischen Kommandowirtschaft einer einzigen Partei –
gestützt auf einen starken Geheimdienst – zu tun hat. Fakt ist, dass
gerade auch Linke und SozialistInnen Opfer der Stasi waren – bis es im
Herbst 1989 gelang, das Regime durch eine Massenbewegung zu kippen.
So wie die Stasi einer kleinen Minderheit diente, so gilt das auch für
die heutigen Geheimdienste. DIE LINKE muss unzweideutig und entschieden
beide repressiven Apparate und Gesellschaftsordnungen ablehnen.
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