Und kämpfen lohnt sich doch…
[Druckversion] Thema: Arbeitskämpfe, Solidarität 88, veröffentlicht: 24.03.2010
Das Beispiel des erfolgreichen Arbeitskampfes beim Bierbrauer InBev in
Belgien
Auch in Belgien hat das „Allheilmittel“ Kurzarbeit nur begrenzte
Wirkungsdauer. So kam es, dass in den ersten drei Wochen des neuen Jahes
10.000 Entlassungen angekündigt wurden, also 500 Entlassungen pro Tag.
Darunter waren 303 Arbeitsplätze bei dem multinationalen Bierbrauer
InBev, dessen Hauptsitz in der belgischen Provinz Vlaams Brabant liegt,
und bald auch die Ankündigung der Schließung des Opel-Werkes in
Antwerpen.
von Tanja Niemeier, Brüssel
InBev ist ein äußerst profitables Unternehmen: InBev hat international
eine Gesamtbelegschaft von 8.000 ArbeiterInnen und Angestellten und
verzeichnete für 2009 satte Gewinne; allein InBev Deutschland machte
Profite im zweistelligen Millionenbereich.
Als die Nachricht vom Stellenabbau die InBev-Belegschaft erreichte,
schlossen sich die verschiedenen Gewerkschaften im Betrieb zusammen, um
ein einheitliches Vorgehen abzusprechen.
Blockaden bei InBev
Man einigte sich auf das Kampfmittel der Blockade. Die Produktion wurde
nicht still gelegt; rein formal gesehen handelte es sich nicht um einen
Streik. Der Effekt war jedoch derselbe. Durch die gut organisierten
Blockadeposten gelangte kein Kasten Bier ohne Zustimmung der
Beschäftigten nach draußen. Schnell gab es die ersten Meldungen von
leeren Bierregalen in den Supermärkten.
Wer Bierdurst hatte, wurde von den InBev-ArbeiterInnen eingeladen. Die
Sympathie mit den kämpfenden KollegInnen war groß. Nicht nur wegen des
Freibiers. Endlich setzte mal jemand ein Zeichen. Die Beschäftigten
erhielten während ihrer 13-tägigigen Blockade viel Besuch von
Delegationen aus anderen Betrieben, aber auch von AnwohnerInnen und
lokalen Kleinhändlern, die dafür sorgten, dass es immer genug zu essen
gab.
Die ungeheure Solidaritätswelle und die Kampfentschlossenheit haben
schließlich dafür gesorgt, dass der Vorstand alle Pläne zurücknehmen
musste. Ein Sieg auf ganzer Linie – zumindest vorläufig.
Die 13 Tage Kampf waren kein Zuckerschlecken. Die Chefetage versuchte
mehrfach, ein Ende des Protestes herbeizuführen. So wurde gedroht, die
Blockade mittels Gerichtsvollzieher aufzulösen. Zum ersten Mal seit den
siebziger Jahren wurde zudem das Mittel der kalten Aussperrung angewandt.
Geschlossenheit und Solidarität waren aber die stärkeren Waffen. Das
strahlte aus. Einige Tage nach dem Sieg bei InBev blockierten die
KollegInnen der Brauerei Alken Maes in der Provinz Limburg die
Betriebstore. Die Geschäftsleitung hatte hier ebenfalls
„Restrukturierungsmaßnahmen” gefordert. Die KollegInnen machten keinen
Hehl daraus, dass ihr Besuch bei InBeV ausschlaggebend für die Aktionen
im eigenen Betrieb war.
Schließung von Opel Antwerpen
Am Tag des Sieges bei InBev wurde die definitive Schließung von Opel
Antwerpen angekündigt. Auch dort blockierte man die Betriebstore für
einen Tag. Leider nicht mehr als ein symbolischer Akt nach einer langen
Tragödie.
Von Anfang an hatten Betriebsrat und Gewerkschaft auf die Strategie des
„verantwortungsvollen Verhandelns” gesetzt. Man saß zusammen mit General
Motors, mit Magna, mit der belgischen Regierung, der deutschen
Regierung, der flämischen Regierung und hoffte auf ein gutes Ende.
Niemand bestreitet, dass die Ausgangspositionen bei Opel und InBev
verschieden waren. Mit InBev und Opel haben wir aber zwei sehr
verschiedene Vorgehensweisen auf Angriffe von oben gesehen. Jetzt gilt
es, die Lehren daraus zu ziehen und so breit wie möglich zu diskutieren.
Tanja Niemeier ist Mitglied der Linkse Socialistische Partij (LSP) in
Belgien und Mitarbeiterin der Konföderalen Fraktion der Vereinten
Europäischen Linken/Nordische Grüne Linke (GUE/NGL) im Europaparlament
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