Copyright? Copyleft?
[Druckversion] Thema: Solidarität 88, Jugend, veröffentlicht: 02.04.2010
Wem nutzt das Urheberrecht?
Seit Jahren läuft im Internet und in der Gesellschaft eine Debatte
über das Copyright. Die Empörung über die Verfolgung von
Urheberrechtsverletzern hat nicht zuletzt zur Gründung einer neuen
Partei, der Piratenpartei, geführt, die bei den vergangenen Wahlen sogar
einige Erfolge für sich verbuchen konnte.
von Ben Hartwig, Kassel
Die vier Majorlabels der Musikindustrie, die einen Weltmarktanteil von
über 70 Prozent haben und bei uns 15 Euro für eine CD verlangen, haben
erreicht, dass man Haftstrafen für illegales Kopieren von bis zu zehn
Jahren aufgebrummt bekommen kann.
Copyright soll Konzerne schützen
Copyright-Gesetze entstanden, um die Rechte derer zu sichern, die über
die Möglichkeiten der Vervielfältigung von Werken – seien es Bücher,
Ton- oder Bildträger – verfügen. Um Kunst gewinnbringend verwertbar zu
machen, muss das Recht auf Vervielfältigung an einen Kapitaleigner
abgetreten werden. Dazu wurde das Copyright geschaffen.
Vom Kassettenrekorder zum PC
So lange die Mittel der Vervielfältigung teuer und schwer zu beschaffen
waren, wurde dies von den Konzernen nicht als Problem erkannt.
Allerdings führte bereits das Aufkommen von Kassetten- und später
Videorekordern dazu, dass erstmals die Copyright-Gesetze offen auf
KonsumentInnen – und nicht mehr nur auf Unternehmen – angewandt wurden.
Mit dem Aufkommen der Homecomputer Anfang der achtziger Jahre kam es zur
ersten wirklichen Gegeninitiative gegen die bestehenden
Copyright-Gesetze. Mit den vielfältigen Möglichkeiten von Homecomputern,
insbesondere als Spieleplattform, wandelte sich Software zu einem
eigenständigen Produkt.
Ran an die Konzerne!
Software sollte für alle nutzbar sein und aufeinander aufbauen – ohne
Behinderung durch gegenseitige Konkurrenz. Das geht nur, wenn wir die
Macht der Konzerne brechen.
Die KünstlerInnen haben nichts vom Copyright. Für Musiker beispielsweise
sollten gute und kostenlose Proberäume, Konzertauftritte und
Verbreitungsmöglichkeiten ermöglicht werden – finanziert von den
Konzernen, für die vor allem das Copyright jahrezehntelang profitabel
war.
„Freie Software“
Als Gegenbewegung zum Copyright entstand die „freie Software“ und später
das GNU/Linux-Betriebssystem und all das, was man heute als „Free and
Opensource Software“ (Firefox, OpenOffice) versteht. Ende der Siebziger
kam es zur ersten Copyleft-Vereinbarung zwischen den Entwicklern von
freier Software und deren NutzerInnen. Vereinbart wurde, dass jeder die
Software für jeden Zweck nutzen und nach Belieben verändern, kopieren
und verbreiten darf.
Zahlreiche Programme, Systeme aber auch kulturelle Beiträge verbreiteten
sich unter den freien Lizenzen. Mit der Kreativität und Energie von
tausenden ProgrammiererInnen und NutzerInnen weltweit konnten sie eine
hohe Qualität erreichen. Das gibt ein Miniaturabbild davon, was in einer
sozialistischen Gesellschaft möglich wäre, wenn Millionen Menschen
demokratisch über die Produktionsmittel und freies Wissen verfügen
würden.
Freie Software?
Aber auch freie Software ist nicht frei von Konzerninteressen oder die
letzte Antwort aufs Copyright. Ein großer Teil der Entwicklungsarbeit
wird durch private Firmen geleistet. Im Januar 2010 wurde der
Server-Hersteller SUN von Oracle für 7,4 Milliarden Dollar übernommen.
Ob der neue Besitzer die Weiterentwicklung von SUN‘s freier Software
unterstützt, bleibt offen.
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