Kommunen im finanziellen Schwitzkasten
[Druckversion] Thema: Kommunalpolitik, Solidarität 89, veröffentlicht: 11.04.2010
Schwimmbad geschlossen, Kitaplatz teurer, Straßenbeleuchtung aus
Durch die Krise sank die Gewerbesteuereinnahme 2009 durchschnittlich um
18 Prozent. In einigen Städten war der Verlust weitaus höher, so musste
die VW-Stadt Wolfsburg einen Rückgang von 43 Prozent verkraften. Dazu
kommen steigende Sozialausgaben, 2009 lagen diese bei fast 40 Milliarden
Euro. Dies führt dazu, dass laut Schätzungen die Verschuldung der
Kommunen in den nächsten vier Jahren auf 50 Milliarden Euro ansteigen
wird.
von Christine Lehnert, Abgeordnete der Rostocker Bürgerschaft für die SAV
Die Stadt Wuppertal geriet jüngst in die Schlagzeilen, weil sie das
Theater schließen wollte. Dieser Tage wurde nun erst einmal ein
Haushaltskürzungskonzept in Höhe von 45 Millionen Euro beschlossen. Das
Theater ist noch offen, viele Vereine und Sozialprojekte werden es bald
nicht mehr sein.
Auch andere Städte streichen schon fleißig bei Sozialem, Kultur und
Personal. Die Stadt Dortmund verdoppelt den Preis des Sozialtickets,
Schwerin kürzt bei den Obdachlosen und Rostock bei der
Heimunterbringung. In den kommenden Wochen wird es überall
Verschlechterungen für die Menschen vor Ort hageln: Gebührenerhöhungen
für Kitas und Bibliotheken, weniger Geld für Frauenprojekte und soziale
Vereine, Schließungen von Schwimmbädern oder das Ausschalten der
Straßenbeleuchtung.
„Uns sind die Hände gebunden“...
...das ist die gängige Antwort der bürgerlichen Parteien, die zwar
zugeben müssen, dass ihre Parteifreunde in Bund und Ländern mit ihrer
Finanzpolitik die Kommunen ausbluten – aber an den asozialen Kürzungen
ändert dies nichts. Es sei nun mal gesetzlich vorgeschrieben, dass ein
Haushalt ausgeglichen werden muss, so der O-Ton in den Rathäusern.
Andernfalls drohe Zwangsverwaltung. Doch dies kann kaum ein Argument für
Zwangskürzungen aufgrund von vorauseilendem Gehorsam sein.
Und während die Kommunen für die ihnen übertragenen Aufgaben finanziell
nicht ausreichend ausgestattet werden, verteilte die Bundesregierung mit
dem „Wachstumsbeschleunigungsgesetz“ Steuergeschenke an Unternehmen und
Reiche, die wiederum die Kommunen im Jahr 2010 rund 1,6 Milliarden Euro
kosten werden. Da scheinen doch alle gleich – aber einige gleicher zu
sein...
Lieber das Gesetz brechen – als den Armen das Genick
Als Abgeordnete der SAV lehne ich eine solche Politik ab. Asoziale
Gesetze können nicht befolgt – sondern müssen bekämpft werden! Soziales
und Kultur sind in diesem System nicht annähernd so viel Wert wie die
Profitsicherung der Konzerne. Und die Gesetze im Kapitalismus dienen
nicht den Menschen, sondern demütigen und verarmen sie.
Was also tun? Nun – die einzige Erkenntnis kann sein, dass alle von
Kürzungen Betroffenen sich zusammen schließen und Widerstand leisten. So
hat sich in Wuppertal das Bündnis „Wuppertal wehrt sich“ gegründet und
in Rostock kämpfen Betroffene für den Erhalt des
Jugendalternativzentrums (JAZ). Und wenn wir zusammen kommen, dann
sollten wir dies gleich dazu nutzen, uns über eine
Gesellschaftsalternative auszutauschen, die nicht den Armen das Genick
bricht, sondern in der der gesellschaftliche Reichtum da ankommt, wo er
hingehört – bei den Beschäftigten, Jugendlichen, RentnerInnen – in den
Städten und Gemeinden.
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