Getroffen, aber nicht K.o.
[Druckversion] Thema: Rassismus, Faschismus, Nationalismus, Solidarität 89, veröffentlicht: 10.04.2010
Der 13. Februar in Dresden war eine schwere Niederlage für die Nazis –
geschlagen sind sie aber nicht
Nach all den Jahren, in denen die Nazis zum Jahrestag der
Bombardierung Dresdens durch die Stadt ziehen konnten, waren die
Massenblockaden in diesem Jahr ein großer Erfolg. Würde man den Kampf
gegen Rechts mit einem Boxkampf vergleichen, so hätten wir ihnen einen
heftigen linken Seitwärtshaken versetzt. Dennoch darf nicht außer Acht
gelassen werden, dass am 13. Februar über 5.000 Faschisten in Dresden
waren und sich bis zu 2.000 weitere Rechtsextreme auf dem Weg dahin
befanden.
von Steve Kühne, Dresden
Die Debatte innerhalb der NPD um die Frage, welchen Weg man einschlagen
soll, hält an. Ein Flügel – der als smarte Bürgerpartei erscheinen will
– setzt vorrangig auf Wahlen und Parlamentsarbeit. Einer seiner
bedeutendsten Vertreter ist zur Zeit Holger Apfel, der Vorsitzende der
sächsischen NPD-Landtagsfraktion.
Debatte innerhalb der NPD
Die Strömung um Apfel wird in Kreisen der Freien Kameradschaften und der
so genannten Autonomen Nationalisten als „reformistisch“ eingestuft. Aus
ihrer Sicht können sie jedoch bestimmte Erfolge vorweisen: So zeigt sich
die CDU in Sachsen mancherorts bereit, mit der NPD in regionalen
„Bündnissen gegen Extremismus“ zusammen zu arbeiten. Und jüngst gab der
Pressesprecher der CDU-Landtagsfraktion der rechtsextremen „Jungen
Freiheit“ ein von Holger Apfel als „Tabubruch“ gefeiertes Interview.
Die militanteren Kräfte in der NPD suchen dagegen den Schulterschluss
mit den Freien Kameradschaften, den „Autonomen Nationalisten“ und
anderen Kräften der Neonazi-Szene.
Neonazis werden aggressiver
Genau dieser Flügel fordert als „Lehre“ aus ihrer Niederlage in Dresden
ein deutlich aggressiveres Vorgehen. Dies geht so weit, dass auf einigen
Nazi-Seiten im Internet die von einzelnen Neonazis als „lasch“
beurteilte NPD sogar dazu aufgerufen wird, „den Kampf auf der Straße
erfahrenen Kameraden zu überlassen“.
Vielerorts nahmen Nazi-Überfälle in der letzten Zeit zu. Schon direkt
nach dem verhinderten rechten Aufmarsch am 13. Februar kam es in Pirna
bei Dresden zu Angriffen auf Wohnungen von AntifaschistInnen. Am 16.
Februar gab es Attacken gegen Jugendliche in Freiburg, die aus einem
linken Treff kamen.
Faschisten planen Aufmärsche am 1. Mai
Die Rechtsextremen bemerken auf ihren Internet-Seiten immer wieder, dass
die Wahlerfolge der Partei DIE LINKE ihnen das Wasser abzugraben drohen.
Deshalb wird der militante Flügel immer ungeduldiger. Von daher ist auch
der angekündigte Aufmarsch der „Freien Kräfte“ in Berlin zum 1. Mai
ernst zu nehmen. Diese Mobilisierung wird von den Jungen
Nationaldemokraten und der NPD unterstützt. Sollte es ihnen gelingen, in
Berlin, Rostock und anderen Städten am 1. Mai zu marschieren, würde
ihnen das wieder Auftrieb geben. Nicht zuletzt deshalb müssen wir das
verhindern!
Kapitalismus und Rassismus
„Ihr könnt keinen Kapitalismus ha-ben ohne Rassismus!“, sagte einst der
US-amerikanische, schwarze Revolutionär Malcolm X. Recht hatte er.
Dieses System, das von Unterdrückung und Spaltung geprägt ist,
produziert ständig Rassismus und hilft damit auch den neofaschistischen
Kräften. Ein K.o.-Sieg gegen die Nazis ist deshalb in dieser
Gesellschaft ausgeschlossen. Darum sollte der antifaschistische Kampf
auch mit dem Ziel verbunden werden, den Kapitalismus durch eine
sozialistische Gesellschaft zu ersetzen. n
Was tun gegen Nazis!
Kampagne der SAV Dresden: Keine Nazi-Zeitungen an unseren Kiosken! Mach
mit!
Infos unter: 0177-3168085
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