Kirgistan: Revolutionärer Aufstand stürzt Regierung
[Druckversion] Thema: Asien, veröffentlicht: 09.04.2010
Regierung des “Volksvertrauens” erklärt, sie habe die Macht übernommen
Bericht zusammengestellt von Rob Jones, Aynur Kurmanow und Zhenya
Otto, und einem Augenzeugen aus Bischkek
In bemerkenswerten 24 Stunden brachen in in Talas, im Norden Kirgistans,
Massenproteste aus, die sich schnell im Land verbreiteten. Die
Hauptstadt, Bischkek, wurde bald von einem Massenaufstand erschüttert,
den die Behörden mit Scharfschützen und gepanzerten Truppentransportern
zu ersticken versuchten. Obwohl Dutzende erschossen wurden drängten die
Massen vorwärts, griffen Regierungsgebäude an, bewaffneten sich um sich
gegen die Polizei zu wehren, bis diese die Seiten wechselte und begann,
den Aufstand zu unterstützen. Am Abend, war die Regierung zurückgetreten
und der Präsident, Bakijew, war Berichten zu Folge mit seinem
Regierungsjet von der US-Luftwaffenbasis Manas am Stadtrand aus Bischkek
geflohen. Gerüchten zu Folge war sein Ziel entweder seine Heimatstadt
Osh im Süden, das nahe gelegene Almaty in Kasachstan oder sogar Prag.
Diese Ereignisse sind eine scharfe Warnung an alle anderen
diktatorischen Herrscher in Zentralasien und der GUS, die angesichts
wachsender Opposition die Repression verstärken. Die britische
Tageszeitung Financial Times zitierte den im Exil lebenden
Oppositionsführer Edil Baisalow: “Was wir sehen ist ein klassischer
Volksaufstand. Das ist eine Revolution, und sie ist blutig.” Er gab die
Schuld für die Unruhen dem autoritären Verhalten der Regierung und fügte
hinzu: “Das passiert wenn man den Deckel zu fest auf dem Kochtopf hält –
er explodiert.” (FT Aril 8 2010).
Präsident Bakijew kam erst vor fünf Jahren in Folge der
“Tulpenrevolution” an die Macht, als die pro-kapitalistische Opposition,
gestützt auf die riesige Unzufriedenheit der kirgisischen Massen mit den
Ergebnissen neoliberaler Politik, eine Massenprotestbewegung
organisierte, um den damaligen Präsidenten Akajew zu stürzen.
Die damaligen Ereignisse kommentierte das CWI wie folgt: „... während
die ‘Macht der Straße’ ausreicht um Regierungen zu stürzen genügt sie
allein nicht um eine alternative Regierung zu errichten, die in der Lage
ist die Korruption und Armut zu beenden die die Region ergriffen hat. In
Kirgistan, wurde lediglich Akajew gezwungen zu fliehen während seine
ehemaligen loyalen Lakaien wieder an die Macht gekommen sind”.
Diese Vorhersage hat sich erfüllt. Bakijew zerstritt sich bald mit
seinen Verbündeten. Viele der heutigen Oppositionsführer waren
ursprünglich in seiner Regierung.
Eine der wichtigsten Beschwerden der Massen ist, dass Korruption und
Vetternwirtschaft unter Bakijew noch stärker geworden sind. Das Land
gehört jetzt weltweit zu den zwanzig Ländern mit der größten Korruption.
Bakijew entschuldigt das mit Kommentaren wie: „Es ist sehr schwierig,
sich von seinen Wurzeln und seiner Erziehung zu lösen”. Sein Bruder ist
zum Beispiel Chef der Sicherheitspolizei und sein Sohn ist jetzt Leiter
der zentralen Entwicklungs-, Investment- und Innovationsbehörde, die vor
kurzem die Mehrheit der Aktien der ‘Kyrgyzalten’-Goldmine übernommen hat
– dieses Unternehmen liefert 40 Prozent der Industrieproduktion des
Landes! Jetzt wurde die Verfassung geändert, wodurch das Präsidentenamt
faktisch zu einer erblichen Position wird.
Bis Bakijew an die Macht kam stand Kirgistan in dem Ruf, relativ
demokratisch zu sein – umgeben von China, Usbekistan, Kasachstan und
Tadschikistan war es nicht schwer, relativ frei zu wirken. Aber in
Wahrheit war das neoliberale Regime, das nach 1991 an die Macht kam
durchaus repressiv, nur war sein Staatsapparat zu schwach und
zerstritten um effektive Maßnahmen zu ergreifen. Seit dem Sieg Bakijews
wurde die Staatsmaschinerie immer mehr zentralisiert, der Präsident
übernahm mehr diktatorische Machtbefugnisse.
Große Armut
Dies passiert vor dem Hintergrund großer Armut für die Massen. Der
durchschnittliche Monatslohn liegt immer noch bei 30 bis 50 US-Dollar,
trotzdem hat die Regierung in diesem Jahr eine Verdopplung der
Strompreise und einen fünf- bis zehnfachen Anstieg der Heizkosten
angekündigt. Die allgemeine Armut ist die treibende Kraft der aktuellen
Proteste.
Die Proteste begannen in der nördlichen Stadt Talas. Unter Berufung auf
feudale Traditionen veranstaltet der Präsident einmal jährlich ein
„Kurultaya“ - eine Audienz mit der Bevölkerung um seine Politik und
seine Handlungen zu erklären. Dieser “Dialog mit dem Volk” geschieht in
Form von Massenversammlungen auf den zentralen Plätzen von Städten im
ganzen Land. In diesem Jahr sollte Bakijew die Notwendigkeit der
Preissteigerungen erklären. Durch öffentlichen Druck wurde er sogar
gezwungen, Redefreiheit zu garantieren und seine Brüder aus ihren
Machtpositionen zu entfernen.
Die Opposition entschied, ein eigenes Kurultaya abzuhalten. Während
ihrer Treffen stellte sie der Regierung ein Ultimatum: “Die
Preissteigerungen sollen annulliert werden, Kyrghyzantel und das
Stromversorgungsunternehmen sollen wieder verstaatlicht werden und die
Verwandten des Präsidenten sollen aus ihren Positionen entfernt werden”.
Die Freilassung aller politischen Gefangenen wurde gefordert.
Wir fügen diesen Forderungen die Notwendigkeit des Kampfes für alle
demokratischen Rechten hinzu, darunter: Das Recht zur Gründung freier
und unabhängiger Gewerkschaften, das Recht sich frei zu versammeln, eine
demokratisch kontrollierte freie Presse und die Einberufung einer
wirklich repräsentativen Versammlung aller Menschen, darunter
ArbeiterInnen, Jugendliche, Studierende, KleinhändlerInnen und die
Landbevölkerung.
Bakijew entschied, das Ultimatum mit Repression zu beantworten. Am 6.
April wurde Bolot Sherniyazow, Führer der Oppositionspartei ‘Ata Meken’
(Vaterland) verhaftet, um ihn daran zu hindern an einer weiteren
Versammlung teilzunehmen. In der Stadt brach explosionsartig der
Aufstand aus.
Tausende Protestierende versammelten sich um das Polizeihauptquartier
und forderten die Freilassung von Bolot Sherniyazow. Die Polizei gab
schnell auf und behauptete, sie habe ihn nur verhören wollen. Doch der
Appetit der Massen wuchs, sie zogen zum Büro des Regionsgouverneurs und
forderten ihn auf, sich „auf die Seite des Volkes zu stellen”. Mit
seiner Ansprache konnte der Gouverneur die Demonstranten nicht von
seiner Position überzeugen und eine Gruppe griff Polizeiabsperrungen an,
durchbrach sie, besetzte das Gebäude des Gouverneurs und erklärte, ein
anderer Regionsgouverneur sei gewählt worden.
Bakijew und seine Unterstützer versuchten so zu tun, als sei alles unter
Kontrolle. Sie unterbrachen die Telefonverbindungen in der Stadt, die
Handynetze wurden abgeschaltet und sogar das Internet war stark
betroffen. Landesweit wurde berichtet, der Protest sei mit Tränengas und
Gummigeschossen erfolgreich niedergeschlagen worden.
Allerdings erzählt unser Korrespondent eine andere Geschichte. Er sagt,
dass die DemonstrantInnen anschließend die Polizei bekämpften und
mehrere Regierungsgebäude besetzen konnten. Das Gebäude des Stadtrats
wurde angezündet, ebenso einige Polizeiautos. Sie besetzten den
Flughafen. Am Abend des 6. April war die Stadt lahmgelegt von
Barrikaden, die von Jugendlichen mit Molotowcocktails verteidigt wurden.
Unser Korrespondent weist darauf hin, dass die Bereitschaftspolizei vor
kurzem mit Geldern von der Organisation für Sicherheit und
Zusammenarbeit in Europa (OSZE) neu ausgerüstet wurde – der
Organisation, die Demokratie auf dem Kontinent garantieren soll.
“Besonderer Dank an die OSZE dafür!” sagt er.
Während sich diese Ereignisse abspielten, verkündete die Regierung, dass
die alternativen Versammlungen die am 7. April landesweit stattfinden
sollten illegal seien. Führende Mitglieder der „Vereinigten
Volksbewegung“ (Vereinigung der wichtigsten Oppositionsparteien) wurden
verhaftet – sieben Schlüsselfiguren und Dutzende von AktivistInnen
wurden allein in Bischkek eingesperrt.
Es sollte keine Illusionen darüber geben, wen diese
OppositionsführerInnen repräsentieren. Ein Atambajew, Führer der
„Sozialdemokratischen Partei“, war bis 2007 Bakijews Premierminister. Er
wurde für die Niederschlagung einer Protestdemonstration durch die
Polizei bekannt, als er sagte die Protestierenden seien „Schafe, die von
einer Ziege in die Schlacht geführt werden!”. Er ist einer der reichsten
Menschen in Kirgistan. Die neue Regierungschefin ist Rosa Otunbajewa,
Außenministerin unter Akajew, eine Verbündete Bakijews während der
Tulpenrevolution und die erfahrenste Botschafterin des Landes. Sie reden
von Bakijews gegen das Volk gerichteter Wirtschafts- und Sozialpolitik,
aber in Wirklichkeit sind diese OppositionsführerInnen wütend, weil sie
den auf den Sieg der Tulpenrevolution folgenden Machtkampf verloren
haben.
Aber der Versuch, die Proteste der Opposition in Talas zu unterdrücken,
führte nicht nur zu einem Aufstand dort, er verbreitete sich auch
schnell in andere Städte. Es gibt Berichte über gestürmte und
angezündete Regierungsgebäude in Naryn, Isykkul und Batken. Bei
Zusammenstößen zwischen der Polizei und Protestierenden sind Berichten
zu Folge viele Menschen getötet worden.
Die Proteste verbreiteten sich schnell in die Hauptstadt Bischkek. In
Abwesenheit der OppositionsführerInnen waren die Proteste spontan, sie
zeigen die Wut der Bevölkerung über den Anstieg der Wohnkosten und
Nahrungspreise und die Privatisierung von Schlüsselindustrien. Die
Stimmung wurde durch die repressiven Maßnahmen der Regierung angeheizt,
darunter die Schließung von Internetseiten und natürlich das Verbot von
Protesten und die Verhaftungen führender Oppositioneller.
Auszüge aus Augenzeugenberichten aus Bischkek zeigen, wie sich die
Ereignisse entwickelten:
7. April 15:11
Eine Demonstration von Tausenden nähert sich dem Parlamentsgebäude. Die
Leute sind so wütend, dass die Bereitschaftspolizei sie nicht aufhalten
kann.
Die Menschen haben die Kette durchbrochen und haben angefangen, die
gepanzerten Fahrzeuge zu übernehmen.
Die Hauptforderung der Protestierenden ist, dass Kurmanbek Bakijew
zurücktreten soll.
Alle OppositionsführerInnen wurden verhaftet – unter dem Vorwurf einen
Staatsstreich zu organisieren. Der Protest ist praktisch spontan. Jetzt
versuchen sie, Journalisten zu verhaften. Kirill Stepanyuk, Chef von
Stan TV, wurde gerade mitgenommen. Die Leute haben Angst, dass die
Regierung den nationalen Notstand ausrufen wird. “Zuerst Akajew, jetzt
Bakijew – schaut euch um, es gibt keine Jobs. Jetzt schießen sie auf
uns. Sie werden mit Blut für Blut bezahlen,” sagt ein Demonstrant.
7. April 16:10
In Bischkek findet eine echte Schlacht statt. Die Leute entwaffnen die
Bereitschaftspolizei und nehmen den Polizisten die Schilde, Knüppel und
Gasgewehre ab. Die Polizisten weigern sich zu schießen – sie kommen
heraus und halten die Hände hoch. Ich kann sehen das Menschen jetzt ein
Paar Polizeiautos übernehmen, zwei dunkelgrüne LKWs – auf einem davon
ist ein Granatwerfer. Da sind Menschen mit Kalaschnikows in den Händen.
Die Handynetze wurden abgeschaltet. Panzer fahren die Straße herunter,
sie bringen die schwere Artillerie. Wir haben gehört, dass
DemonstrantInnen aus anderen Regionen kommen.
7. April 17:03
Das ist Krieg! Vom Dach des Weißen Hauses [Hauptquartier der Regierung]
schießen Scharfschützen mit scharfer Munition in die Menge. Ich kann
vier Tote sehen, ihre Köpfe sind weggeschossen. (Sozialistischer
Widerstand Kasachstan ruft alle Gewerkschaften, Jugendgruppen, Parteien
und Bewegungen dringend auf, gegen diese brutalen Aktionen von Kurmanbek
Bakijew zu protestieren.). Wir haben gerade gehört, dass Kirill Stanyuk
(Stan TV) von der Finanzpolizei entlassen wurde.
7. April 17:23
Die Demonstranten haben eben einen der Scharfschützen gefunden. Er war
auf dem Dach des Weißen Hauses und hat von hinten auf die
Protestierenden geschossen. Er konnte nur knapp entkommen. Im Moment ist
Ruhe.
Die Regierung kann keinen Notstand ausrufen – das Parlament ist nicht
beschlussfähig. Die Opposition ist noch im Gefängnis. Die Menschen
organisieren sich selbst. Die DemonstrantInnen haben das TV-Gebäude
gestürmt – sie haben die Sendeanlagen zerstört und sind wieder gegangen.
Von MenschenrechtsaktivistInnen haben wir gehört, dass die Situation in
Kirgistan (um 17:09) wie folgt ist:
Der Gouverneur der Issykulskii-Region ist zurückgetreten.
Das Fernsehsendezentrum wurde besetzt – weil die TV-Sendeanlagen
zerstört wurden wird momentan eine Radiobotschaft vorbereitet.
Die Gebäude der Regionalregierungen wurden in Talas, Naryn, Issykul und
Bakten (4 von 6 Regionen) besetzt.
Stadtregierungsgebäude wurden in fünf Städten übernommen,
Polizeihauptquartiere in drei Orten.
Die Anzahl der DemonstrantInnen in Bischkek wächst. Es gibt viele Opfer.
Laut der westlichen Presse wurden über 100 Menschen von den
Scharfschützen umgebracht. Die Behörden verstehen nicht, dass sie die
Massen nur noch wütender machen indem sie Menschen töten. Bakijew – hör
auf Menschen zu erschießen!
Die Autobahn Kochkor-Bischkek wurde blockiert.
In Talas verlangt die Menge, dass der Polizeichef seinen Befehl,
Waffengewalt anzuwenden zurückzieht. Er wurde stark verprügelt.
7. April 19:57
Die Polizei hat aus dem Weißen Haus wieder das Feuer eröffnet. Es gibt
viele Verletzte und Tote. Die DemonstrantInnen bewegen sich zum Weißen
Haus. In der Nähe hat die Menge das Büro der Staatsanwaltschaft
angegriffen. Es gibt Gerüchte (die sich später als unwahr
herausstellten) dass der Innenminister in Talas gefangen genommen und
totgeschlagen wurde. Die Oppoisition hat in drei von sechs Regionen die
Macht übernommen. Der Ausnahmezustand wurde ausgerufen und in den
Regionen, die Bakijew noch unter Kontrolle hat wurde eine Ausgangssperre
verhängt.
7.April 21:20
Die Situation ist außer Kontrolle. Das Bakijew-Regime versucht sich noch
mit Gewalt an der Macht zu halten. Es gibt aber Gerüchte, dass Bakijews
Familie evakuiert wird und sich unter dem Schutz der Amerikaner im
Luftwaffenstützpunkt Manas befindet [die US-Basis auf dem Flughafen von
Bischkek wird von den USA für den Krieg in Afghanistan verwendet]. Nach
Angaben von Menschenrechtsgruppen sind in den Krankenhäusern der Stadt
mindestens 56 Tote. Aber trotz der Erschießungen geben die
DemonstrantInnen nicht auf. Im Gegenteil, die Menschen versuchen sich zu
bewaffnen, sie übernehmen Schilde und Schlagstöcke von der Polizei,
einige haben Waffen von der Bereitschaftspolizei. Im Moment wird das
Weiße Haus belagert,die Gebäude der Staatsanwaltschaft und der
Sicherheitspolizei und zwei regierungsnahe Fernsehsender wurden besetzt.
Soldaten und gepanzerte Fahrzeuge sind in den Großstädten auf den
Straßen. Es ist klar dass die Regierung den Aufstand im Blut ertränken
will. Aber in vielen Gebieten haben die Polizei und die Truppen
aufgegeben, sind auf die Seite der DemonstrantInnen übergelaufen, haben
ihre Uniformen ausgezogen und sich unter die Protestierenden gemischt.
Im russischen Fernsehen wird behauptet, die Protestierenden wären
Kriminelle und es gebe Pogrome. Aber die Protestierenden beschweren sich
darüber, dass riesige Teile des Staatseigentums vom Präsidenten und
seiner Familie übernommen wurden. Diese Revolution hat viele Elemente
von sozialem Protest – die Masse der Protestierenden fordern
Verstaatlichung und einen wirtschaftlichen Kurswechsel. Selbst wenn der
Diktator Bakijew noch einmal angreift ist es klar, dass seinem Regime
nicht mehr viel Zeit bleibt. Und wenn die Revolution erfolgreich ist,
wird sich die Perspektive einer Ausbreitung in Nachbarländer ergeben.
8. April 01:47
Es ist durch die Informationen die wir bekommen klar, dass der Aufstand
siegreich war. Die Massen haben heute Nacht das Hauptquartier der
Sicherheitspolizei und das nahegelegene Gefängnis gestürmt. Die zuvor
verhafteten FührerInnen der Opposition wurden freigelassen. Das Weiße
Haus ist gefallen und eine „Regierung des Volksvertrauens“ wurde
gebildet. Der ehemalige Parlamentssprecher Omurbek Tekebaew erklärte im
Fernsehen, dass die Macht jetzt vollständig in den Händen des Volkes
liegt. Ein Zentrales Exekutivkomitee von 13 Personen wurde gebildet,
geführt von der Chefin der „Sozialdemokraten“ Rosa Otumbajewa.
Tekebaew erklärte, dass sie selbst die volle Verwantwortung für die
Führung des Landes übernehmen würden. Tekebaew erklärte, dass
„Volksverteidigungseinheiten“ gebildet würden um die Ordnung auf den
Straßen wiederherzustellen. Neuesten Nachrichten zufolge werden in
einigen Gebieten chinesische Supermärkte und die Häuser der
Bakijew-Familie geplündert und die Verteidigungstrupps versuchen die
Situation zu kontrollieren. Die Regimes in Kasachstan und Usbekistan
haben zusätzliche Truppen geschickt um ihre Grenzen zu schließen.
Wahrscheinlich wird das chinesische Regime dasselbe tun.
Kommentar des CWI in Kasachstan und Russland (7 April 2010):
Diese Ereignisse sind ein Ergebnis der aktuellen Wirtschaftskrise und
der Verzweiflung der Bevölkerung über die Ergebnisse der
Tulpenrevolution 2005. Nach Presseberichten hat die neue Regierung jetzt
die Rücknahme der Erhöhungen der Strom- und Heizungsgebühren, die
Wiederverstaatlichung der Goldminen und strategischer Industrien
angekündigt. Unter diesen Bedingungen sind Massenproteste die beste
Möglichkeit, sich für seine Rechte einzusetzen. Aber ohne ein
sozialistisches Programm und eine Organisation, die diese Rechte auf
Dauer verteidigen kann, können solche revolutionären Ereignisse zu einer
weiteren „Farbrevolution“ führen, in der die revolutionäre Energie der
Massen von einem anderen Teil des Kapitalistenklasse in deren eigenem
Interesse ausgenutzt wird. Bereits jetzt sagt die neue Regierung in der
selben Sprache, die 2005 verwendet wurde, dass das wichtigste die
„Wiederherstellung der Ordnung“ sei. Die gleiche Clique wird an die
Macht kommen, nur ohne Bakijew. Sie werden die Ereignisse der letzten
beiden Tage nutzen um die Wut des Volkes zu demonstrieren und Dampf
abzulassen.
Die Ersetzung eines Präsidenten durch einen Anderen wird nichts
verändern. Das System muss geändert werden. Der Kapitalismus muss durch
eine demokratisch organisierte Planwirtschaft ersetzt werden – nur auf
diesem Weg kann die Wirtschaftskrise überwunden werden.
Deshalb rufen wir zur Gründung einer linken Massenpartei auf, mit einem
klaren Programm und einer Strategie gegen Repression und für die Rede-
und Organisationsfreiheit, gegen Preiserhöhungen und Arbeitslosigkeit,
für ein massives Investitionsprogramm in Wohnungen und die Schaffung von
Arbeitsplätzen, für die Verstaatlichung des Bankensektors, der Goldminen
und der Schlüsselbereiche der Wirtschaft unter demokratischer Kontrolle
und Verwaltung durch die Arbeiterklasse. Hierfür ist es notwendig ein
„Kurultaya“ der Lohnabhängigen und der Armen zu organisieren und eine
Arbeiterregierung zu bilden, in der alle Schichten der Arbeiterklasse
vertreten sind.
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