Berlin: 1.Mai nazifrei!
[Druckversion] Thema: Rassismus, Faschismus, Nationalismus, SAV, veröffentlicht: 30.04.2010
Am 1.Mai 2010 wollen Nazis wieder einmal durch Berlin marschieren.
Das Berliner Bündnis „1.Mai nazifrei!“ ruft dazu auf, den
Naziaufmarsch massenhaft zu blockieren. Die SAV Berlin unterstützt
diesen Aufruf und wird sich an den Blockaden beteiligen.
von Ronald Luther, Berlin
Das Bündnis knüpft an die erfolgreiche Massenblockade des
Naziaufmarsches in Dresden im Februar diesen Jahres an. So wie damals
sollen auch in Berlin die Nazis durch Aktionen des zivilen Ungehorsams
und Massenblockaden gestoppt werden. Damit wird richtigerweise deutlich
gemacht, dass Faschismus keine Meinung, sondern ein Verbrechen ist. Wer
wie die Nazis alle demokratischen Rechte abschaffen will, kann diese
auch nicht für sich in Anspruch nehmen. So weist der Bündnisaufruf
korrekt darauf hin, dass die Hitlerfaschisten nur einen Tag nach dem
1. Mai 1933 die Gewerkschaftshäuser stürmten, GewerkschafterInnen in die
Gefängnisse sowie Konzentrationslager warfen und viele von ihnen
ermordeten. Es ist daher besonders empörend, dass die braunen Horden
wieder einmal den 1. Mai für ihren Aufmarsch missbrauchen wollen. Denn
der 1. Mai war schon immer der Kampf- und Feiertag der internationalen
Arbeiterbewegung gewesen. Bereits im 19. Jahrhundert wurde weltweit
gemeinsam für den Acht-Stunden-Arbeitstag gestreikt und demonstriert.
Konfrontiert wurden die ArbeiterInnen dabei immer wieder mit
Massenentlassungen und brutaler Polizeigewalt, so wie es auch heute noch
in vielen Ländern geschieht. Dabei war den ArbeiterInnen damals stets
bewusst gewesen, dass die Grenzen nicht zwischen den Völkern sondern
zwischen Oben und Unten verlaufen. Und auch heute wird am 1. Mai
international gemeinsam gegen die Einschränkung von Rechten der
Arbeiterklasse, für höhere Löhne, für soziale Sicherheit, für
Ausbildungs- und Arbeitsplätze für alle auf die Straße gegangen. Die
Nazis hingegen stehen für eine Spaltung der Arbeiterklasse in Deutsche
und Nichtdeutsche. Sie diskriminieren Menschen und verbreiten Rassismus
sowie Antisemitismus. So wie 1933 in Deutschland wollen sie wieder die
Organisationen der Arbeiterklasse, die Gewerkschaften sowie die linken
Parteien und Organisationen brutal zerschlagen und ihr faschistisches
Terrorregime errichten.
Es ist richtig, wenn das Bündnis in seinem Aufruf davor warnt, dass die
Nazis in rassistischer und antisemitischer Manier die Wirtschaftskrise
und ihre Folgen für ihre Propaganda nutzen und MigrantInnen als
Sündenböcke präsentieren. Korrekt ist auch, dass die Antwort der Nazis
auf die Soziale Frage Ausgrenzung, Vernichtung und Krieg bedeutet. Ein
Problem ist aber, dass der Aufruf verschweigt, wer in Wahrheit für
Massenarbeitslosigkeit, Sozialabbau, Lohnraub, Armut und Krieg
verantwortlich ist, vermutlich um die Breite des Bündnisses nicht zu
gefährden. Nicht der türkische Metallarbeiter ist es, der den deutschen
Kollegen entlässt, sondern es sind die Kapitalisten. Und es sind
bürgerliche Parteien wie die SPD und Bündnis90/DIE Grünen, die in der
Krise eben nicht die Kapitalisten, sondern die Arbeitenden mit Lohnraub
und Sozialabbau für die „Rettung“ der Banken zur Kasse bitten. Es ist
sogar gefährlich, im Kampf gegen die Faschisten auf diese Parteien zu
setzen, da diese selber zu den geistigen Brandstiftern gehören. So
hetzte die CDU Anfang der neunziger Jahre gegen eine angebliche
„Asylantenflut“, was in der Folge zur Abschaffung des Asylrechts durch
CDU/CSU, FDP und SPD führte. Der Innensenator von Berlin Erhardt Körting
(SPD) ist bekannt dafür, rigoros gegen Flüchtlinge vorzugehen. So
kritisierte im Februar 2008 der Berliner Flüchtlingsrat in einer
Pressemitteilung: „Mit größtmöglicher Härte gehe die Berliner
Ausländerbehörde und Innensenator Körting gegen seit Jahrzehnten in
Berlin lebende kurdische Libanon-Flüchtlinge vor.“ Im Februar diesen
Jahres blockierte der SPD-Innensenator erneut die Aufhebung der
Residenzpflicht (Reiseverbot) für Flüchtlinge. Bekannt ist er außerdem
dafür, gegen Linke zu hetzen. So wird auch in diesem Jahr wieder vom
Innensenator versucht, Teile der antifaschistischen Bewegung zu
kriminalisieren und gegeneinander auszuspielen. In Bezug auf den 1.Mai
drohte er wieder einmal: „Wenn zu erkennen ist, dass sich unter
friedliche Gegendemonstranten andere mischen, denen es darum geht,
Gewalt auszuüben, wird die Polizei für einen gehörigen Abstand (zum
Naziaufmarsch, d. A.) sorgen“. Nicht also die braunen Schlägerbanden
sondern die antifaschistischen BlockiererInnen stellen die Gefahr dar.
Dabei hatte es allein im Jahr 2008 mehrere gewalttätige rechtsextreme
Überfälle auf Linke und Menschen nichtdeutscher Herkunft gegeben. So
wurden zwei Iraner im Wedding schwer verletzt und ein Student in
Friedrichshain fast ermordet. Weiterhin gab es in den letzten Monaten
vermehrt Angriffe auf linke Läden und Büros. Auch der SPD-Politiker und
Ex-Finanzsenator von Berlin Thilo Sarrazin ist bekannt für seine
rassistischen Sprüche. Es ist also pure Heuchelei, wenn SPD und
Bündnis90/Die Grünen zu den Blockaden aufrufen.
Ignoriert wird dabei, dass die Kapitalisten selber ein Interesse daran
haben, wenn die Arbeiterklasse gespalten ist. Denn die Arbeitenden
können ihre Interessen im Konflikt mit den Kapitalisten nur dann
durchsetzen, wenn sie gemeinsam handeln. Deshalb sind es immer wieder
bürgerliche Politiker, die für die Interessen der Kapitalisten
Ausländerfeindlichkeit schüren oder eine ausländerfeindliche Politik
betreiben. Ihnen ist bewusst, dass eine einig handelnde Arbeiterklasse
den Kapitalisten gefährlich werden kann, denn „Einigkeit macht stark!“.
Und diese Einigkeit wird gerade jetzt gebraucht, wo die Folgen der
kapitalistischen Weltwirtschaftskrise für die arbeitenden Massen immer
spürbarer werden. Daher ist es schade, dass in dem Aufruf nicht auf die
Anti-Krisen-Demos am 12. Juni diesen Jahres hingewiesen wird, von denen
unter anderem auch eine in Berlin stattfindet. Dabei könnte damit den
Nazis das Wasser abgegraben werden, die gerne von sich behaupten, als
Einzige den Widerstand gegen die kapitalistische Krise zu organisieren.
Die Nazis dreschen in ihrem Aufruf für den Aufmarsch am 1. Mai
antikapitalistische Phrasen, stellen sich als revolutionär dar und
propagieren einen nationalen Sozialismus als die Alternative. Sie
mobilisieren nicht ohne Grund unter dem Motto „Unserem Volk eine Zukunft
- Den bestehenden Verhältnissen den Kampf ansagen – Nationaler
Sozialismus jetzt“. Damit versuchen sie, die immer größer werdende
Offenheit in der Bevölkerung für Sozialismus für sich zu nutzen und in
rechtsextreme Bahnen zu lenken. So konnten sich in einer Emnid-Umfrage
vom März diesen Jahres 80 Prozent der Ost- und 72 Prozent der
Westdeutschen vorstellen, in einem sozialistischen Staat zu leben,
sofern darin für Arbeit, Sicherheit und Solidarität gesorgt wäre. Der
US-amerikanische, schwarze Revolutionär Malcolm X wies zu seinen
Lebzeiten darauf hin: „Es gibt keinen Kapitalismus ohne Rassismus!“. Ihm
war klar geworden, dass Rassismus nur abgeschafft werden kann, wenn es
keinen Kapitalismus mehr gibt. Allerdings gab er keine Antwort darauf,
was denn die Alternative zu diesem System ist. Unserer Meinung nach muss
der Kampf gegen Faschismus und Rassismus verbunden werden mit dem Kampf
gegen Massenarbeitslosigkeit, Sozialabbau, Armut, Krieg und für eine
sozialistische Gesellschaft. Denn nur im Sozialismus werden die Ursachen
für das alles abgeschafft werden können.
Infos zum Blockadebündnis hier
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