Jugendstreik in Kassel
[Druckversion] Thema: Solidarität 90, Jugend, Bildung, veröffentlicht: 21.05.2010
Weichen für einen gemeinsamen Streik von SchülerInnen, Auszubildenden
und Studierenden gestellt
Im Vergleich zu vorangehenden Bildungsstreiks bedeutet die geplante
massenhafte Streikteilnahme von Azubis eine Steigerung des Protests.
Jugend- und Auszubildendenvertretungen aller Kasseler Großbetriebe -
darunter Volkswagen, Daimler, Bombardier, das städtische Klinikum oder
die Telekom - bereiten derzeit für den 9. Juni Jugend- und
Auszubildendenversammlungen vor. Nach einem innerbetrieblichen Auftakt
wollen sich die Azubis einem gemeinsamen Demonstrationszug der
SchülerInnen und Studierenden anschließen.
von Lasse Schmied, Kassel
Im Vorfeld des Streiks ist es gelungen, ein starkes Bündnis unter dem
Titel "Zukunftsperspektiven erkämpfen" auf die Beine zu stellen.
Kasseler Bündnis
In dem Bündnis befinden sich Hauptamtliche und aktive
Gewerkschaftsjugendliche, die die betriebliche Mobilisierung stemmen.
Auf einer Vollversammlung des Stadtschülerrats haben sich alle
anwesenden vierzehn Schülervertretungen für die Unterstützung des
Streiks ausgesprochen. Gleichzeitig schließen sich streikwillige
SchülerInnen zu Aktionsgruppen zusammen und planen auf eigene Faust den
Streik an ihrer Schule. Auch an der Universität beginnen die
Streikvorbereitungen durch den AStA und die "Kritische Uni Kassel".
Auf den wöchentlichen Bündnistreffen kommen die Aktiven der einzelnen
Bereiche zusammen.
Linksjugend ["solid] mit von der Partie
AktivistInnen von Linksjugend ["solid] und Mitglieder der SAV sind seit
der ersten Minute aktiv an den Vorbereitungen des Protesttages
beteiligt. Mit einer eigenen Kasseler Jugendzeitung "solid info" steuert
die solid-Gruppe eigenes antikapitalistisches und sozialistisches
Material bei und wirft die Frage auf, wie die Proteste "von einem
Jugendstreik zum Generalstreik" ausgeweitet werden können.
"Wir wollen solidarisch miteinander leben, lernen und arbeiten"
Einen inhaltlichen Auftakt fand die Streikvorbereitung am 24. April, als
die aktiven Jugendlichen auf einer Aktionskonferenz eine gemeinsame
Erklärung für den Protest verabschiedeten. Neben fünfzehn konkreten
Forderungen zur Verbesserung von Bildungs-, Ausbildungs- und
Arbeitsbedingungen geht die Erklärung über gewohnte Forderungskataloge
der Bildungsstreikbewegung hinaus. Die Forderungen ließen sich "durch
eine Umverteilung der Rüstungsausgaben und der Milliardengewinne der
Banken und Konzerne finanzieren". Um eine garantierte Übernahme und
ausreichend Ausbildungsplätzen zu ermöglichen, brauche es „eine
Arbeitszeitverkürzung auf 30 Stunden pro Woche bei vollem Lohn- und
Personalausgleich".
Außerdem wird unterstrichen, dass die aktuelle Streikbewegung in
Anbetracht der kapitalistischen Krise vor einem veränderten Hintergrund
stattfindet: "Wenn es nach Politik und Wirtschaft geht, sollen gerade
wir jungen Menschen für die Wirtschaftskrise bezahlen. Wir haben die
Krise nicht zu verantworten und sagen deshalb: Wir zahlen nicht für Eure
Krise." Schlussendlich treten die AktivistInnen für eine Gesellschaft
ein, "die an den Bedürfnissen der Menschen und nicht am systembedingten
Profitstreben orientiert ist (...). Wir wollen eine Gesellschaft, die
nicht ausgrenzt und die nicht die Konkurrenz zwischen uns immer weiter
anheizt. Im Gegenteil: Wir wollen solidarisch miteinander leben, lernen
und arbeiten."
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