Kasachstan: „GenossInnen, danke für die Unterstützung!“
[Druckversion] Thema: Asien, CWI/KAI, veröffentlicht: 19.05.2010
Mitteilung von Aynur Kurmanow anlässlich seiner Haftentlassung
Nach zwei Wochen Haft ist der bekannte Journalist und sozialistische
Aktivist Aynur Kurmanow am 12. Mai freigelassen worden. Aynur wurde mit
der Begründung in Gewahrsam genommen und verurteilt, er habe vor einer
Filiale der Temir Bank einen „Streikposten organisiert“. Dafür wurde er
mit der Höchststrafe von 14 Tagen belegt. Tatsächlich wurde der
Streikposten von der oppositionellen sozialen Bewegung „Kasachstan 2012“
organisiert, um gegen die Pfändung von Eigenheimen zu protestieren. Zwar
hat Aynur den Streikposten nicht organisiert, war aber in seiner
Eigenschaft als Journalist vor Ort. Aynur trat in Protest gegen seine
Haft in Hungerstreik. Zwar wurde gegen das Urteil Einspruch eingelegt,
dieser wurde jedoch abgelehnt. Die kasachischen Behörden wie auch die
Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), deren
Vorsitz Kasachstan z.Zt. inne hat, erreichten unterdessen etliche
Protestnoten von überall auf der Welt.
Bei seiner Haftentlassung diese Woche gab Aynur folgendes Statement ab:
Am 12. Mai wurde ich nach 15 Tagen Aufenthalt aus dem Sondergefängnis
entlassen, das gegen „administrative Kriminalität“ eingerichtet wurde.
Aus Protest gegen meine Behandlung durch die Regierung hielt ich während
meiner Haftzeit einen Hungerstreik aufrecht. Während meines
Gefängnisaufenthalts wurde auch Yesenbek Ukteshbaev, führende Figur der
Protestbewegung „Verteidigt die Häuser der Menschen!“ für fünf Tage
eingesperrt. Er trat aus Solidarität ebenfalls in Hungerstreik.
Ungeachtet des Drucks von staatlicher Seite, konnten wir mit unserem
Widerstand einen moralischen Sieg erringen und erlangten die Sympathie
sowie Unterstützung von neuen Menschen und Protestgruppen.
Die Haftzeit und der Prozess haben unsere AktivistInnen nur enger
zusammengeschweißt und abermals die wahre Natur dieses Staates gezeigt,
der die Interessen der Finanz- und Wirtschaftsmagnaten unmittelbar
vertritt. Darüber hinaus wurde damit aber auch die Schwäche der Behörden
sichtbar, die mittels vorbeugenden Arrests versucht haben, die
Demonstrationen am 1. Mai zu verhindern. Wie wir sehen können, stellten
sich alle Versuche der Gendarmen als zwecklos heraus; wir haben erneut
unsere Stärke und Einheit gezeigt. Wir wollen gegenüber allen
AktivistInnen, die sich an der Solidaritätskampagne mit den verhafteten
kasachischen SozialistInnen beteiligt haben, unseren Dank aussprechen.
Besonders möchten wir dabei unsere GenossInnen aus Russland und den
anderen Sektionen des CWI hervorheben, aus Österreich, Großbritannien,
Deutschland, Kanada, den USA, Südafrika, Nigeria, Australien, Sri Lanka
und weiteren Ländern, ebenso wie Gewerkschaften aus Europa und Russland
und den EU-Parlamentarier Joe Higgins. Sie haben Mahnwachen in
Österreich vor der OSZE-Zentrale organisiert wie auch vor der
kasachischen Botschaft in Wien. Am 4. Mai fand eine Mahnwache vor der
kasachischen Botschaft in Moskau statt. Weiterhin kam Unterstützung von
AktivistInnen anderer Organisationen wie z.B. Vpered, RRP und der AKM
wie auch von anderen linken Gruppen.
Am 4. Mai organisierten unsere GenossInnen in Almaty eine
Protestkundgebung vor dem Gerichtsgebäude. Das fand statt, nachdem es am
30. April schon zu einem größeren Protest vor der Zentrale der „Temir
Bank“ gekommen war. Am 1. Mai gab es eine gemeinsame Demonstration aller
demokratischen Oppositionsparteien. Das Ergebnis all dieser Aktionen
ist, dass unsere GenossInnen von der Menschenrechtsorganisation „Talmas“
es zum ersten Mal in Kasachstan vermochten, dass Angeklagte an ihrem
eigenen Berufungsverfahren persönlich teilnehmen können.
Wir werden unsere Aktivitäten weiterentwickeln und verstärken und die
Kräfte der Bewegung „Kasachstan 2012“ weiter aufbauen und ausweiten, die
wir als Basis für den Aufbau einer neuen Partei für die ArbeiterInnen
mit sozialistischem Programm ansehen. Unser Kampf, GenossInnen, geht
weiter! Lasst uns wieder an die Arbeit gehen!
Aynur Kurmanow, CWI Kasachstan
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