Thailand: Entscheidungsschlacht zwischen den „Rothemden“ und der
Regierung?
[Druckversion] Thema: Asien, veröffentlicht: 21.05.2010
Ein Augenzeugenbericht
Zum Zeitpunkt, da dieser Artikel geschrieben wurde, haben die Spannungen
in Bangkoks Straßen seit dem Ultimatum von Mittwochnacht noch einmal
zugenommen. Am 19. Mai wurden die oppositionellen "Rothemden"durch einen
massiven Einsatz des thailändischen Militärs brutal niedergewalzt. Die
Führer der Bewegung wurden von Scharfschützen erschossen oder ergaben
sich der Polizei. Die Oppositionsbewegung scheint jedoch noch nicht
aufgegeben zu haben.
Wir dokumentieren hier einen Bericht von Reportern der Website
socialistworld.net in Thailand, der am Freitag, den 14. Mai 2010
verfasst wurde.
Die Oppositionellen bereiten sich auf einen bevorstehenden Militärschlag
vor. Ausgehend von den mörderischen Kämpfen Ende April bedeutet dies,
dass man sich auf ein Blutbad vorbereitet. Über zwei Monate lang haben
die „Rothemden“, die in Opposition zur Regierung von Abhisit Vejjajiva
stehen, das Handels- und Finanzviertel Siam besetzt gehalten. Sie
fordern die Auflösung des Parlaments und rufen zu sofortigen Neuwahlen
auf.
Hintergrund und Geschichte der Ereignisse
Im September 2006 wurde der damalige Premierminister und Multimilliardär
Thaksin Shinawatra durch einen Militärputsch gestürzt. Zeitgleich
verurteilte man ihn zu zwei Jahren Gefängnis auf Grund eines
„Interessenkonfliktes“ und verschiedenen Finanzbetrügereien. Seitdem
lebt er in Dubai „im Exil“ und wartet auf eine triumphale Rückkehr nach
Thailand.
In Thailand kommt die Unterstützung für Thaksin hauptsächlich von einer
großen Anzahl an Bäuerinnen und Bauern aus den ländlichen Gebieten (vor
allem aus dem Norden des Landes und den Regionen um Bangkok). Außerdem
kann er sich auf Teile der verarmten Arbeiterklasse aus den Städten
stützen. Diese Unterstützung konnte er mittels seiner populistischen
Politik aufbauen und dank einiger kleinerer, während seiner Amtszeit
durchgeführter Maßnahmen, die im Sinne der Ärmsten waren. Trotzdem
spielte er natürlich die Rolle, die man es von kapitalistischem
Oligarchen wie ihm erwarten musste: Er setzte neoliberale Maßnahmen um,
die zu großer Unzufriedenheit unter den ArbeiterInnen in den Städten
führten.
Ende 2008 besetzten die „Gelbhemden“, die den momentanen Premierminister
Abhisit unterstützen, das Regierungsgebäude und zwei Flughäfen. Beendet
wurden diese Aktionen als die damalige Regierung, der man Verbindungen
zu Thaksin vorwarf, aufgelöst wurde. Abhisits Partei schaffte es dann,
ausreichend Unterstützung - auch von den Thaksin-freundlichen
Abgeordneten - zu erhalten, um eine neue Regierung zu bilden. Auch wenn
die Armee bei diesen Ereignissen keine aktive Rolle einnahm, so steht
für viele außer Frage, dass nur auf Grund von Drohungen durch das
Militär so viele pro-Thaksin-Abgeordnete zu Wendehälsen wurden.
Derweil organisierten die „Rothemden“ ihre erste wichtige Mobilisierung,
indem sie in einem der größten Stadien Bangkoks 50.000 UnterstützerInnen
sammelten. Die wichtigste Gruppe dabei war die „United Front for
Democracy and against Dictatorship“ (dt.: Einheitsfront für Demokratie
und gegen Diktatur), die von der „Pheu Thai Party“ (dt.: Partei für die
Thais) unterstützt wird, welche wiederum in Verbindung zu Thaksin steht.
Auf der anderen Seite steht die „Demokratische Partei“ von Abhisit. Sie
erhält Unterstützung von der PAD - „People Alliance for Democracy“ (dt.:
Volksbündnis für Demokratie). Die „Gelbhemden“ haben ihre wichtigste
Basis in der städtischen Mittelschicht und Teilen der Arbeiterklasse.
Die jetzige Regierung hat sich selbst diskreditiert. Sie steht für eine
Politik, die die Position der Monarchie und des Militärs im Lande
gestärkt und wieder zu einem wichtigen politischen Faktor gemacht hat.
Über 70 Prozent der Regierungsmitglieder sind nicht gewählt worden.
Die „Rothemden“ und die Kämpfe von 2009
Genau vor einem Jahr, im April 2009, besetzten die „Rothemden“ zum
ersten Mal Bangkoks Stadtzentrum. Sie forderten den sofortigen Rücktritt
Abhisits und unterstützten Thaksin, die Oppositionsfigur im Exil.
Tagelang kam es zu offenen Gefechten zwischen tausenden jungen
„Rothemden“ und den Einsatzkräften der Regierung. Der Ausnahmezustand
wurde über die Stadt verhängt und paramilitärische Kräfte bezogen
Stellung. Die Armee rückte mit Panzern vor und feuerte mit scharfer
Munition auf die Menge. Dabei starben zwei Menschen, hunderte wurden
verletzt. Eine wütende Menge griff den Wagen des Premierministers an.
Weil die Auseinandersetzungen derartige Ausmaße angenommen hatte, musste
außerdem ein Gipfeltreffen der Eliten aus verschiedenen Nachbarstaaten
abgesagt werden. Einige Wochen später stimmten die Führungsköpfe der
„Rothemden“ angesichts der drastischen staatlichen Repression dem Abzug
ihrer Truppen zu. Dabei kündigten sie neue Proteste an, sollte es nicht
bald zu Neuwahlen kommen.
April 2010: erneuter Aufstand der „Rothemden“
Fast genau ein Jahr nach den Ereignissen von 2009 kamen die „Rothemden“
erneut zusammen und entschieden eines der Wirtschaftszentren Bangkoks,
das Viertel Siam, zu besetzen. Es gab etliche Demonstrationen, die Leute
marschierten auf oder fuhren in Massen mit Motorräder durch die Straßen
der Stadt. Die wohl spektakulärste Aktion fand vor einigen Wochen statt,
als man entschied, zum Parlament zu ziehen. Dabei erzwang man den
Abbruch der laufenden Plenarsitzung und sorgte dafür, dass die
Abgeordneten aus den Parlamentsräumen fliehen mussten. Die Regierung
musste für einige Wochen umziehen und sich in einer Stadt außerhalb
Bangkoks treffen.
Gleichzeitig wurden auf täglicher Basis zahlreiche Kundgebungen
organisiert. Zwischen 100.000 und 150.000 Menschen zogen jeden Tag in
das besetzte Stadtzentrum. Die Zeitung „The Nation“ erklärte: „Mehr und
mehr arme Bauern haben sich eingefunden und den Rothemden angeschlossen,
um ihrer Wut Ausdruck zu verleihen. Sie fühlen sich als die sozialen
Opfer der Politik“. Auf ihrer Titelseite schrieb dieselbe Zeitung:
„Armut ist der größte Feind Thailands. Mindestens zehn Millionen der
insgesamt 65 Millionen Menschen leben unterhalb der Armutsgrenze. Diese
Bevölkerungsschicht hat fast keinen Zugang zu Grundnahrungsmitteln,
Gesundheitsversorgung oder Bildung“.
Um die Lage zu beruhigen, war Abhisit zum ersten Mal dazu gezwungen,
Friedensverhandlungen mit den führenden Köpfen der „Rothemden“ zu
führen. Er legte einen neuen „Fahrplan” vor, versprach Wahlen für den
14. November und eine ganze Palette von Maßnahmen für die armen
Bäuerinnen und Bauern. Das vorderste Ziel dabei war, die Proteste
abzuschwächen und Zeit zu gewinnen. Die führenden Köpfe der „Rothemden“
hingegen entschieden sich für die Fortsetzung der Besetzungsaktionen im
Stadtzentrum und forderten die sofortige Auflösung des Parlaments.
Angesichts der Entschlossenheit der Opposition versuchte die Armee
bereits zweimal einzumarschieren und das besetzte Gebiet zu räumen.
Diese Versuche trafen auf den wütenden Widerstand der „Rothemden“ und
führten zu Dutzenden von Toten. In den letzten Wochen ist es in Bangkok
auch zu starken Übergriffen gekommen, bei denen auch etliche
Staatskräfte verwundet oder gar getötet wurden. Diese Angriffe gehen
offiziellen Medien zufolge zweifellos auf den „harten Kern“ der
„Rothemden“ zurück. Es ist allerdings auch möglich, dass diese
Ausschreitungen Provokateure der „Gelbhemden“ (Regierungsseite) zu
verantworten haben, die ihrerseits in den letzten Tagen einige
gewalttätige Aktionen gegen die „Rothemden“ organisiert haben.
Seit diesen tragischen Ereignissen ist eine Hauptforderung der
„Rothemden“ die Verhaftung von Verteidigungsminister Suthep, da er für
die mörderische Repression Ende April verantwortlich ist. Die Regierung
hat ihrerseits ihre Rhetorik verschärft und für den Fall, dass die
Oppositionellen nicht bis zum 12. Mai das Stadtzentrum Rajprasong
verlassen sollten, zunächst das Abstellen von Strom und Wasser sowie die
darauf folgende Invasion der Armee angekündigt. Dazu könnte es in den
nächsten Stunden schon kommen. Dies war schon einmal der Fall, als sich
die Regierung seit Ende April in der Defensive befand. Man fürchtete den
Zusammenbruch der bewaffneten Kräfte zwischen den Fronten der
Regierungstreuen und SympathisantInnen der „Rothemden“.
Der Anführer der „Rothemden“, Jatuporn Promphan, hielt am 12. Mai
gegenüber der Zeitung „The Nation“ fest, dass man auf das Ultimatum der
Regierung nicht eingehen werde und dass „wir uns von diesem Druck nicht
einschüchtern lassen. Nach dem Tod so vieler Protestierender kann die
Roten nichts mehr stoppen. “
Die Stimmung im Lager der „Rothemden“ und die jüngsten Ereignisse
Am Mittwoch, 12. April, einige Stunden vor Ablauf des Ultimatums, hatte
ich die Möglichkeit, in das besetzte Stadtzentrum zu gelangen, das von
allen Seiten von der Opposition des Regimes verbarrikadiert ist. Dieses
Viertel, das einige Quadratkilometer groß ist, wird von den „Roten“ mit
großer Vorsicht gesichert. Jeder Zugang zu dem Gebiet ist durch starke
Barrikaden abgeriegelt, man kann nicht zu den Kundgebungen und den
Schlafstellen gelangen.
Die „Schwarzen Garden“, die Sicherheitskräfte der Bewegung, durchsuchen
jedes Fahrzeug, um zu verhindern, dass Waffen oder Sprengsätze hinein
kommen können. Im ganzen besetzten Viertel wird man ununterbrochen von
einer Bühne, die mit Lautsprechern im gesamten Viertel verbunden sit mit
den Reden der führenden Köpfe der „Rothemden“ beschallt. Unzählige
Menschen und Familien halten sich hier auf oder schlafen auf dem Boden -
ihrem neuen Zuhause. Lebensmittel und Wasser sowie alle weiteren Güter
des täglichen Bedarfs stehen überall in diesem großen Areal zur
Verfügung. Überall hängen Bilder von den Demonstrationen, Darstellungen
der Repression vom April und Banner, auf denen zur Auflösung des
Parlaments aufgerufen wird. Von den BasisaktivistInnen wird man sehr
herzlich empfangen, und es herrscht trotz der sprachlichen
Schwierigkeiten die breite Bereitschaft dazu, die momentane Lage zu
erklären. Als ich sie fragte, was sie über die momentane Situation und
das Regierungsultimatum denken, erklärte uns eine 19 Jahre junge „Rote“:
„Ich bin seit zwei Monaten hier. Die Armee hat schon einige Male
versucht uns zu räumen. Viele Menschen sind bereits tot. Sie sprechen
von rund 20 Toten. Aber wir gehen von mehr als 100 Toten aus. Sollte die
Armee zurückkommen - was in den nächsten Tagen mit Sicherheit der Fall
sein wird, werde ich gegen sie kämpfen.“
Der Kommentator der Zeitung „The Nation“ sprach vor einigen Tagen von
wesentlichen Meinungsverschiedenheiten unter den „Rothemden“. Es ist
klar, dass den großen Hoffnungen, die sich in dieser Massenbewegung
ausdrücken und die von Thaksin und seiner Gruppe benutzt werden, um
deren eigene politische Position zu verbessern, nicht einfach durch das
simple Versprechen von Neuwahlen im November entsprochen werden kann.
Unter den Anführern haben sich in den letzten Tagen zwei Flügel
herauskristallisiert: Auf der einen Seite steht ein „moderater“ Flügel,
der den „Fahrplan“ der Regierung akzeptieren und die eigenen Kräfte
abziehen will. Auf der anderen Seite steht der „harte Kern“, der sich um
die „Pheu Thai Party“ herum positioniert; der wichtigsten politischen
Partei hinter den „Roten“, die sich gegen den „Fahrplan“ wendet. Unter
einer immer größer werdenden Schicht der mobilisierten UnterstützerInnen
der „Rothemden“ kommen Zweifel an der Redlichkeit der eigenen Führer
auf. Einer dieser Unterstützer sagte: „Heute ist klar, dass es in Kürze
zu einem Blutbad führen würde, würde man den konfrontativen Standpunkt
gegenüber der Regierung aufrecht erhalten. Ich habe etliche Male
erfolglos versucht, mit den Anführern zu sprechen. Ich habe das Gefühl,
dass wir einigen von ihnen nicht trauen können, und ich bezweifle auch,
ob sie wirklich für Demokratie kämpfen“. Über ein auf dem Gelände
installiertes Radio wurde kurz zuvor mitgeteilt, dass „die
BasisaktivistInnen sich nun selbst organisieren und ihre Anführer davor
warnen, sie besser nicht zu vergessen“. Ein anderer Aktivist sagte: „Du
kannst der Bewegung jetzt von der Bühne aus Befehle erteilen, dass sie
zurück nach Hause gehen sollen. - Ich schätze, dass die Reaktion darauf
wäre, dass alles, was man finden kann, auf die Person geworfen würde,
die sich so etwas trauen würde. Einige planen sogar, zum 11.
Infanterieregiment zu marschieren und den Premierminister zu verhaften,
bevor man dann den Volksaufstand starten würde“.
Zur Zeit, da ich diesen Artikel schreibe (Donnerstag, 13. Mai 2010), hat
die Armee das ganze Gebiet bereits abgeriegelt und grünes Licht für den
Einsatz scharfer Munition erhalten. Dutzende Panzer sind in der Nähe der
Barrikaden zusammen gezogen worden. In 15 Provinzen des Landes wurde der
Ausnahmezustand ausgerufen. Erst vor einigen Minuten ist der Anführer
der „Rothemden“ während eines Interviews mit einem japanischen
Fernsehsender durch Scharfschützen getötet worden. Um die Armee auf
Distanz zu halten, sind in den benachbarten Vierteln Kämpfe aufgeflammt,
was schon zu einem Toten geführt hat - einem 25-Jährigen namens
Chartchai Chalao. 20 Personen wurden schwer verletzt. Die Anführer der
„Roten“ haben ihre Kräfte angewiesen, sich an jeder Absperrung
aufzustellen und dort auf das Eintreffen der Armee zu warten. Die
Situation wird sich in den nächsten Stunden sicherlich weiter zuspitzen.
Welche Perspektive haben ArbeiterInnen, arme Bäuerinnen und Bauern in
Thailand ?
Es ist klar, dass die Ereignisse in Thailand Ausdruck eines Machtkampfs
zwischen Thaksin und der Regierung Abhisit sind. Die aktuelle Situation
hat die bereits bestehenden Spannungen zwischen ländlicher und
städtischer Bevölkerung allerdings weiter verschärft.
Ganz klar wird die Regierung Abhisit heute von Militär und Monarchie
unterstützt, damit die Rückkehr Thaksins und seiner Clique an die Macht
verhindert wird. Thaksins UnterstützerInnen haben sich selbst zum
Sprachrohr der Armen des Landes erklärt, und sie nutzen die Wut und
Frustration, die in der thailändischen Gesellschaft vorherrschen für
ihre Zwecke aus. Bewusst haben die besagten Führungspersonen die
Spannungen und Spaltungslinien zwischen den Armen vom Land und den
städtischen ArbeiterInnen und der Mittelschicht weiter vergrößert.
Bislang sind die Opfer der gierigen Eliten weiterhin die armen
Bäuerinnen und Bauern, die Arbeiterklasse und einige andere
gesellschaftliche Schichten - egal, für welche der beiden Seiten in
diesem Konflikt sie sich bisher auch entschieden haben mögen. Die
Korruption hat im Lande bisher nie erreichte Ausmaße angenommen. Klar
ist in dieser Situation, dass keiner der führenden politischen Köpfe
auch nur im Ansatz die Ursache der Probleme angehen wird, unter denen
die thailändische Bevölkerung zu leiden hat. Thailand ist eines der am
meisten von der kapitalistischen Krise betroffenen Länder. Und abgesehen
davon sind sich die Führungsfiguren beider Lager darin einig, wer dafür
in den nächsten Monaten und Jahren zahlen soll: die ArbeiterInnen und
die Ärmsten der Gesellschaft.
Aus diesem Grund ist es auch desaströs, dass keine Partei mit einem
Programm existiert, das von den Bedürfnissen der armen Bäuerinnen und
Bauern und der ArbeiterInnen ausgeht, um die existierende enorme Wut zu
kanalisieren, die sich in den Straßen des Landes ausdrückt. Wir werden
die Armut und Unterdrückung nicht dadurch beenden, indem wir entweder
der Regierung oder einiger korrupter Milliardäre Vertrauen schenken.
Die jetzige Situation ist äußerst instabil, und es ist schwer zu sagen,
was in den bevorstehenden Tagen geschehen wird. Es ist klar, dass die
Regierung sich auf eine Kraftprobe vorbereitet. Es ist jetzt nur noch
eine Frage von Stunden. Wie lange können die „Rothemden“ Widerstand
leisten? Werden die Meinungsverschiedenheiten innerhalb des Militärs
offen ausbrechen? In welchem Ausmaß wird sich die Gewalt Bahn brechen?
Was auch immer geschehen mag: Selbst wenn es nicht das Wahrscheinlichste
ist, dass die „Rothemden“ mit ihrer Forderung nach Neuwahlen
durchkommen, so erwarten offizielle KommentatorInnen dann einen Sieg der
Thaksin nahe stehenden Parteien. Sollte es doch dazu kommen, dann ist es
sehr wahrscheinlich, dass die Koalition der „Gelbhemden“, die von Teilen
des Militärs unterstützt wird, erneut auf die Straße gehen wird. Das
alles bedeutet, dass es ziemlich wahrscheinlich ist, dass es im Land mit
der Instabilität weitergehen wird.
Darüber hinaus ist das, was wir derzeit in Thailand erleben - einem
Land, das seit 1930 schon 18 Militärputsche durchgemacht hat - ein
Hinweis auf die Instabilität, die sich auf höherer Ebene und in ganz
Asien weiter entwickeln kann. Vor allem vor dem Hintergrund der sich
zuspitzenden Krise. Für uns revolutionäre SozialistInnen ist es daher
von noch wesentlicherer Bedeutung, die Dringlichkeit des Aufbaus einer
massenhaften politischen Kraft zu verstehen. Diese muss die Interessen
der ArbeiterInnen und verarmten Massen verteidigen und auf die
Notwendigkeit hinweisen, dass der Kampf für eine sozialistische
Gesellschaft die einzige Alternative ist um mit der Barbarei des
Kapitalismus Schluss zu machen.
Die Forderungen des Komitees für eine Arbeiterinternationale (CWI):
• Keine Unterdrückung demokratischer Rechte und der Medien
• Abschaffung jeglicher drakonischer Gesetze wie dem ISA (Gesetz über
die Innere Sicherheit), die die Rechte der Menschen unterminieren
• Nein zur Herrschaft der Generäle und der korrupten,
millionenschweren Politiker
• Fundamentale Opposition gegen einen Militärputsch
• Für massenhaften Kampf zur Erringung voller demokratischer Rechte.
Dazu muss auch das Recht der ArbeiterInnen zählen, sich selbst zu
organisieren, zu demonstrieren und zu streiken
• Für unabhängige, kämpferische, demokratische Gewerkschaften und
Organisationen der Kleinbauern
• Gewerkschaftliche Rechte für die bewaffneten Kräfte in den
niedrigeren Rängen - verarmte Soldaten müssen für den Kampf der
arbeitenden Menschen gewonnen werden
• Für den Aufbau einer Massenpartei der ArbeiterInnen, Armen,
Bäuerinnen und Bauern
• Für den vereinten Kampf der ArbeiterInnen, armen Bäuerinnen und
Bauern, Studierenden und anderer durch das System Unterdrückter, um die
korrupte Regierung zu stürzen
• Für eine wirkliche und repräsentative konstituierende Versammlung
• Abschaffung der Monarchie
• Für eine mehrheitlich aus ArbeiterInnen, armen Bäuerinnen und
Bauern bestehende Regierung
• Volle Rechte für den unterdrückten moslemischen Bevölkerungsteil im
Süden Thailands und aller anderen Minderheiten
• Nein zur neoliberalen Politik der Privatisierung und Deregulierung
• Großkonzerne, Schlüsselindustrien, große private
Grundbesitzervereine und Banken müssen in demokratisches öffentliches
Eigentum überführt werden
• Für eine geplante Wirtschaft unter demokratischer Kontrolle und
Verwaltung gewählter Komitees der ArbeiterInnen Kleinbäuerinnen und
Kleinbauern, um die Bedürfnisse der arbeitenden Menschen sowie der armen
Bäuerinnen und Bauern zu befriedigen
• Für ein sozialistisches Thailand als Teil einer sozialistischen
Konföderation Südostasiens
Dieser Artikel erschien am 19.05.2010 auf www.socialistworld.net, der
Webseite des Committee for a Workers" International (CWI), dem die SAV
als deutsche Sektion angehört
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