Joe Higgins in Athen
[Druckversion] Thema: CWI/KAI, Griechenland, veröffentlicht: 27.05.2010
Über 2.000 hören den irischen Marxisten auf Großkundgebung von Syriza
Bei einer Großveranstaltung von SYRIZA (Bündnis der radikalen Linken, im
Parlament vertretenes Linksbündnis) am 14. Mai in Athen sprach neben
Alexis Tsipras (Sprecher der SYRIZA-Fraktion im griechischen Parlament),
Manolis Glezos (Mitglied des SYRIZA-Vorstands), Marisa Matias (Bloco de
Esquerda / LinksBlock, Portugal) und Jean Pierre Brar (Parti Communiste
Francais / Kommunistische Partei Frankreichs) auch Joe Higgins, MdEP für
die Socialist Party aus Irland.
von Harris Sideris, Xekinima (Schwesterorganisation der SAV in
Griechenland)
Mit 2000 bis 2500 TeilnehmerInnen - Mitgliedern wie auch
SympathisantInnen von SYRIZA, war das Treffen überaus erfolgreich.
Joe hielt eine sehr kraftvolle Rede, die alle Anwesenden bewegte. Er
überbrachte den ArbeiterInnen in Griechenland eine Botschaft der
Klassen-Solidarität und wies, um den Angriffen der Chefetagen Widerstand
entgegenzusetzen, auf die Notwendigkeit europaweit koordinierter Kämpfe
hin.
Joe begrüßte die von der Arbeiterklasse und von SYRIZA geführten Kämpfe
in Griechenland und sagte mit Nachdruck:
„Man will von euch, dass ihr dem Beispiel Irlands folgt. Mein Rat an
die ArbeiterInnen in Griechenland ist hingegen: Akzeptiert nicht die
Politik der Angriffe und Kürzungen, die die irische Regierung gegen die
irischen ArbeiterInnen aufgelegt hat. Und mein Rat in Richtung der
irischen ArbeiterInnen in Dublin, die mich ins Europaparlament gewählt
haben, lautet: Folgt dem Beispiel des Kampfes und Widerstands, das die
griechischen ArbeiterInnen gegeben haben!“.
Mit Bezug auf die Schuldenkrise sagte er:
„Wir müssen es ablehnen, für die von den Chefetagen zu verantwortende
Krise zu bezahlen. Wir kämpfen gemeinsam mit den ArbeiterInnen in
Griechenland. Wir sagen Nein zur Diktatur von IWF und den Märkten.“
Er setzte dann damit fort, die Initiative linker
EuropaparlamentarierInnen für eine europaweite Aktionswoche gegen die
neuen Sparprogramme vorzustellen. Dabei bezog er sich besonders auf die
Solidarität, die für die Arbeiterklasse in Griechenland jetzt nötig ist.
Es handelt sich dabei um ein von Joe selbst initiiertes Vorgehen, dem
sich mittlerweile Europaabgeordnete linker Parteien aus Griechenland,
Zypern, Frankreich, Portugal, Dänemark und Schweden angeschlossen haben.
Dazu erklärte er:
„Für die Woche vom 21. bis zum 26. Juni rufen wir zu
Solidaritätsaktionen auf und wir appellieren an die linken Parteien,
sozialen Organisationen und die Gewerkschaften, in dieser Woche in
Solidarität mit der Arbeiterklasse in Griechenland und mit allen
europäischen ArbeiterInnen, die ähnlichen Problemen gegenüber stehen, zu
mobilisieren.“
Er wies auch darauf hin, dass „die momentane Krise in Europa nicht
durch die Schulden Griechenlands verursacht wurde, sondern das Ergebnis
der Krise ist, in der sich das globale kapitalistische System befindet
[...].“
Was die Aufgaben der linken Parteien dabei angeht, gegen diese
kapitalistische Krise vorzugehen, betonte Joe:
„Wir müssen mit der Dominanz der Märkte brechen, um das Bankensystem
unter der Kontrolle der ArbeiterInnen und der Gesellschaft zu
re-verstaatlichen. So können wir dann Investitionen nach den Belangen
der Gesellschaft lenken, zur Sicherung der Renten, zum Aufbau eines
Sozialsystems und zur Schaffung von Arbeitsplätzen für tausende
erwerbslos gewordene ArbeiterInnen.“
Stürmischer Beifall kam auf, als Joe die Rolle der Märkte in Bezug auf
die Schuldenkrise kommentierte:
„Es sind weder die ArbeiterInnen in Irland noch die in Griechenland,
die sich Milliarden geliehen haben. Zur Hölle mit den Märkten,
Schuldenstreichung jetzt! Bei ihnen handelt es sich nur um Spekulanten,
die gezockt und nun verloren haben.“
Joes energiegeladener Redebeitrag faszinierte und stieß bei vielen
GenossInnen und SympathisantInnen auf Begeisterung. Es war kein Zufall,
dass Joe nach jedem Satz, den er beendet hatte, den Applaus der
Zuhörerschaft erhielt; zeigte er damit doch in der Praxis die Kraft und
die anziehende Wirkung sowie die Ansätze des revolutionären Marxismus
auf - vor allem unter den heutigen Bedingungen der schweren
kapitalistischen Krise.
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