Italien: ControCorrente wendet sich dem CWI zu
[Druckversion] Thema: CWI/KAI, Europa, veröffentlicht: 30.05.2010
Ein wichtiger Schritt für den Marxismus in Italien
Ein Wochenende, das gespickt war mit Debatten über die Perspektiven für
die Linke - in Italien und in Europa. Und das vor dem Hintergrund der
internationalen kapitalistischen Krise.
Bericht auf der Homepage von Controcorrente
Die Redaktion von Socialistworld.net freut sich sehr, die Übersetzung
eines Artikels veröffentlichen zu dürfen, der diesen Montag auf der
Website von ControCorrente erschien. Die GenossInnen von ControCorrente
sind in der PRC (Partei der Kommunistischen Neugründung) und der
Gewerkschaft CGIL aktiv. Nun stellen sie sich der Herausorderung, welche
Schritte jetzt notwendiger Weise unternommen werden müssen. Mit dem
Komitee für eine Arbeiterinternationale (Committee for a Workers’
International, CWI) wurden seit einiger Zeit viele Themenkomplexe
gemeinsam erörtert. Bei seiner Konferenz letzten Samstag entschied die
Vereinigung Controcorrente einstimmig, ihre politische Solidarität mit
dem CWI zu bekunden.
Der Besuch von Peter Taaffe, Sekretär der Socialist Party in England und
Wales, und Clare Doyle vom Internationalen Sekretariat des CWI
(Committee for a Workers’ International, Komitee für eine
Arbeiterinternationale) in Ligurien umfasste die Teilnahme an mehreren
Veranstaltungen. Am Freitag, 14. Mai, und Sonntag, 16. Mai, fanden zwei
öffentliche Treffen unter dem Titel: „Für eine Linke der Ratsherren oder
eine Linke der ArbeiterInnen? - Ein Problem mit internationaler
Bedeutung?“ statt. Rund 50 Personen besuchten die erste und gut 20 die
zweite Veranstaltung, die in Genua bzw. Savona stattfanden.
Das Publikum war zwar nicht zahlreich (aber für Zeiten wie diese auch
nicht wenig), es handelte sich aber um eine gute Mischung. Darunter
waren ArbeiterInnen und Betriebsräte von Ericsson, Fincantieri
(Werften), Navalimpianti, Datasiel, Eurocontrol, Bombardier
(Maschinenbau), von AMT, AMIU, ASTER und ASEF (ehem. städtisch), aus dem
Bildungs- und Hochschulbereich sowie führende Köpfe von CGIL, RDB und
COBAS und ebenfalls einige VertreterInnen anderer linker Organisationen.
„In Italien“, so Marco Veruggio, Landessprecher von
ControCorrente, „gibt es ein großes Vakuum in der politischen
Vertretung der Arbeitswelt, und deshalb können sich die Lega Nord und
rechtsextreme Gruppierungen gesund stoßen. Dabei handelt es sich jedoch
nicht allein um ein italienisches Problem.“
„Beim jüngsten Gewerkschaftskongress von CGIL, fanden sich in der Tat
alle, die den Alternativantrag zu dem der Führung unterstützten, ohne
jede politische Unterstützung wieder“, fügte Antongiulio
Mannoni, Genueser CGIL-Sekretär und Sprecher der (oppositionellen)
Bewegung Moccia-Rinaldini, hinzu.
Neue Massenparteien der ArbeiterInnen
Peter Taaffe erklärte, wie die Socialist Party (Mitglied im CWI) in
Großbritannien dieses Vakuum durch die Zusammenarbeit mit der 80.000
Mitglieder zählenden Transportarbeitergewerkschaft RMT, der Vereinigung
der Justizbediensteten und anderen Gewerkschaftsorganisationen aus dem
Bereich öffentlicher Dienst, der Lokalverwaltung, von Feuerwehren und
politischen Organisationen wie der Communist Party (zumindestens am
Anfang) sowie anderen SozialistInnen zu füllen versuchte, um zunächst
die Liste „NO2EU“ und dann die „TUSC“ (Trade Unionist and Socialist
Coalition; Gewerkschaftlich-sozialistisches Wahlbündnis) als zwei
Bündnisse links von der sozialdemokratischen Labour Party zu gründen und
damit sowohl bei den Europawahlen 2009 wie auch bei den jüngsten
britischen Parlamentswahlen anzutreten.
„Viele ArbeiterInnen in England haben das Gefühl, dass die
Niederlage von New Labour diese wieder nach links treiben wird“,
erklärte Peter. „Aber dazu wird es nicht kommen.“
Es sei kein Zufall, dass der aussichtsreichste Nachfolgekandidat von
Gordon Brown, David Milliband, einer der engsten Verbündeten von Tony
Blair, ist.
„Deshalb“, fuhr er fort, „ist es notwendig, die
Arbeit für den Aufbau einer neuen Massenpartei fortzusetzen, die für die
ArbeiterInnen eine Alternative zur Labour Party darstellt“.
„Die Frage nach einer Alternative zu den Mitte-Links-Parteien, die
nur noch weiter nach rechts gegangen sind“, sagte Clare Doyle,
„steht auch in anderen Ländern im Raum." Dort gibt es Formationen, in
denen das CWI eingreift, wie etwa in der Neuen Antikapitalistischen
Partei in Frankreich, Der Linken in Deutschland und SYRIZA, der linken
Vereinigung in Griechenland, zu der auch Xekinima, die CWI-Sektion in
Griechenland, gehört.
„Zum jetzigen Zeitpunkt, da schwere Klassenkämpfe stattfinden“,
sagte sie, „könnte SYRIZA rasch wachsen und großen Einfluss auf die
Kämpfe zur Transformation der Gesellschaft in Griechenland haben, würde
man ein sozialistisches Programm zum Kampf gegen die Auswirkungen der
Krise und gegen die Sparprogramme Papandreous aufstellen.“
Eine weitere aufgeworfene Frage war die der Koordinierung der Kämpfe der
ArbeiterInnen in Europa. Joe Higgins, MdEP für die Socialist Party in
Irland, spielt eine entscheidende Rolle dabei, die Linke Fraktion (GUE)
zur Unterstützung von Solidaritätsaktionen von ArbeiterInnen in ganz
Europa zu bringen, die von der Krise getroffen sind. Im Juni gibt es
eine weitere und größere Initiative zur Organisierung der Solidarität
mit der Bewegung in Griechenland. In Spanien spricht der Vorsitzende der
UGT, der traditionell mit der Sozialdemokratie verbündeten
Dachgewerkschaft, davon, mit der (regierenden) PSOE zu brechen, seit
Zapatero eine fünfprozentige Lohnkürzung für den öffentlichen Dienst
ankündigte. Für den 2. Juni wurde zusammen mit den Arbeiterkommissionen
CC.OO, die der „Kommunistischen Partei“ nahe stehen, zum Generalstreik
im öffentlichen Dienst aufgerufen. Das CWI arbeitet daran, dass an
diesem Tag auch in Portugal und Griechenland große Mobilisierungen und
Streiks ausgerufen werden.
ControCorrente und das CWI
Am Samstag, 15. Mai, fand die Landesversammlung der Vereinigung
ControCorrente mit insgesamt rund 25 GenossInnen statt. Das Treffen
drückte die volle Zustimmung mit der Analyse und Arbeit des CWI sowie
die Absicht aus, die Beziehungen zwischen den beiden Organisationen zu
verfestigen. Am Ende des Treffens wurde ein neuer Landesvorstand
gewählt. Dieser besteht aus: M. Armellin (Region Venetien), A. Ghaderi
(Abruzzen), P. Granchelli (Lombardai), L. Minghetti (Piemont), C.
Dicembre und C. Thomas (Emilia), M. Veruggio (Ligurien) und F. Nigro
(Schatzmeister).
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