DIE LINKE und die DDR
[Druckversion] Thema: DDR 1989, "DIE LINKE.", Solidarität 91, veröffentlicht: 09.07.2010
Schluss mit der Ambivalenz!
Die SPD in NRW behauptet, eine Koalition mit der LINKEN sei an deren
unklarer Haltung zur DDR gescheitert. Das ist vorgeschoben. Die SPD
wollte nicht mit der Linkspartei regieren, weil sie mit ihr den
anstehenden Arbeitsplatz- und Sozialabbau nicht so einfach hätte
umsetzen können. Die DDR-Keule wird geschwungen, um genau davon
abzulenken. Aber was ist dran an dem Vorwurf, DIE LINKE verteidige die
DDR?
von Sascha Stanicic, Berlin
Katarina Schwabedissen vom Vorstand der NRW-LINKEN betonte, die Partei
sei bereit gewesen, zu unterschreiben, dass die DDR eine Diktatur war.
Und tatsächlich gibt es eine Reihe von Dokumenten der LINKEN, wie zum
Beispiel den aktuellen Programmentwurf, in denen eine Distanzierung vom
Stalinismus zu finden ist.
Kein „Sozialismusversuch“ in der DDR
Tatsache ist aber leider auch, dass die DDR im Programmentwurf als
„Sozialismusversuch“ bezeichnet wird und die Kritik am DDR-Staat nur auf
der Erscheinungsebene (mangelnde Demokratie, Überzentralisierung und so
weiter) formuliert wird, nicht jedoch die Ursachen dafür benannt werden.
Es waren die Machtinteressen und Privilegien der Bürokraten in Moskau
und Ost-Berlin, die zu einer aktiven Verhinderung von demokratischen
Rechten und Arbeiterselbstverwaltung in dem ostdeutschen Staat durch die
SED führten. Das führt zu der Schlussfolgerung, dass zwar Millionen
ArbeiterInnen nach dem Zweiten Weltkrieg versuchten, ein „besseres“,
antifaschistisches und sozialistisches Deutschland aufzubauen – dieser
Versuch aber von Josef Stalin, Walter Ulbricht, Nikita Chruschtschow,
Erich Honecker verhindert wurde. Der Begriff „Sozialismusversuch“ gibt
der KPdSU- und SED-Führung eine Legitimität, die sie vom Standpunkt der
Arbeiterklasse aus nicht verdient hat. Wie Heinrich Böll schon sagte:
Die größten Antikommunisten saßen in Moskau und Ost-Berlin!
Stasi klar verurteilen!
Schlimmer wird die Haltung der LINKEN, wenn SpitzenvertreterInnen der
Partei in die Fallen der bürgerlichen Medien und Politiker tappen, weil
sie zum Beispiel nicht bereit sind, die Stasi zu verurteilen.
Natürlich haben Vertreter eines kapitalistischen Systems, das für
Kriege, Umweltzerstörung, Diktaturen verantwortlich ist, und einer
Bundesrepublik, in der nach dem Zweiten Weltkrieg alte Nazis Karriere
machen konnten (während AntifaschistInnen ins Gefängnis wanderten), kein
moralisches Recht, über die DDR zu urteilen. Nicht zuletzt, weil sie mit
der SED-Bürokratie das gemeinsame Interesse hatten, die DDR-Diktatur als
Sozialismus darzustellen. Warum sonst hat die SPD gemeinsame Papiere mit
der SED verfasst oder hat der frühere bayrische CSU-Ministerpräsident
Franz-Josef Strauß die DDR-Bürokratie mit Milliardenkrediten gestützt?
Aber auch wenn linke Kritik an der DDR sich nicht mit bürgerlicher
Kritik gleichsetzen lassen darf, darf der Versuch, sich von dieser
abzugrenzen, auch nicht dazu führen, dass man auf Kritik verzichtet.
Bärbel Beuermann, Spitzenkandidatin der NRW-LINKEN, antwortete auf die
Frage nach der Legitimität der Stasi mit der Gegenfrage: „Ist der
Verfassungsschutz legitim?“ Das ist nicht nur dumm. Denn wahrscheinlich
drückt diese Antwort die Haltung aus, dass der „Sozialismusversuch“ DDR
sich gegen das feindliche, kapitalistische Ausland verteidigen musste
und die Stasi daher legitim war. Die Stasi war aber vor allem ein
Repressionsorgan gegen die ostdeutsche Arbeiterklasse und damit in
keiner Art zu verteidigen.
Haltung von MarxistInnen
Eine marxistische Antwort auf die gestellte Frage lautet: „Ich wäre in
der DDR von der Stasi bespitzelt worden, weil ich für sozialistische
Demokratie kämpfe. Die DDR war eine Diktatur gegen die eigene
Bevölkerung. DIE LINKE hat nichts mit der DDR und Stalinismus am Hut.
Wir kämpfen für Demokratie, die nicht am Betriebstor endet. Für
sozialistische Demokratie, in der nicht der Profit für Banken und
Konzerne herrscht. Darüber hinaus halte ich kapitalistische
Geheimdienste für ebenso illegitim, wie stalinistische, denn sie handeln
nicht im Interesse der Bevölkerungsmehrheit.“
Die Ambivalenz in den Aussagen der LINKEN zur DDR muss beendet werden.
Nur dann kann die Skepsis, die der Partei in einem Teil der arbeitenden
Bevölkerung aufgrund ihrer Geschichte weiterhin entgegen schlägt,
überwunden werden.
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