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Stressfaktor (Aus)Bildung – Was tun?


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Thema: .megafon - sozialistische jugendzeitung, Bildung, Jugend, veröffentlicht: 09.06.2010

SchülerInnen, Azubis und Studierende leiden oft an hohen Arbeitsbelastungen und niedrigen Einkommen. Dabei könnte es viel besser gehen...

von Thies

Schule: Turboabi+Doppeljahrgang

Zahlreiche Bundesländer haben das 12-jährige Turboabitur eingeführt und zwingen Jugendliche damit, „TurboschülerInnen“ zu werden, die die gleiche Menge Lernstoff in kürzerer Zeit lernen sollen. Stundenpläne mit bis zu 40 Wochenstunden sind keine Seltenheit. Mit Hausaufgaben und Bulimie-Lernen (reinpauken, rauskotzen) vor Klassenarbeiten und Klausuren arbeiten viele SchülerInnen 50 Stunden pro Woche – gäbe es eine SchülerInnengewerkschaft, müsste sie bei solchen Arbeitszeiten längst in den Dauerstreik getreten sein. Durch die Schulzeitverkürzung sind doppelte Abiturjahr- gänge entstanden – beginnend mit diesem Jahr in Hamburg kommt es zu einer extremen Verschärfung der Konkurrenz um Studienplätze, die nach dem Abi-Schnitt vergeben werden – wenn sich fast doppelt so viele BewerberInnen auf die gleiche Anzahl Plätze bewerben, bleibt Leuten die nicht gerade einen Einser-Schnitt haben oft nur eine Ausbildung als Ausweg. Dieser wird von der Hamburger Handelskammer unter dem Motto „Abi macht Lehre“ beworben – auch hier fehlen Plätze. Ein passender Slogan in dieser Situation wäre „Real macht Hartz“ - denn die meisten Betriebe werden BewerberInnen mit Abi grundsätzlich bevorzugen, wer von der Real- oder Hauptschule kommt, hat Pech gehabt.

Ausbildung: Arbeitshetze+Hungerlohn

Aber auch diejenigen, die einen Ausbildungsplatz ergattert haben, haben oft Grund zu Beschwerden. Fast 20 Prozent sind so unzufrieden, dass sie ihre Ausbildung abbrechen – trotz des damit verbundenen Risikos, arbeitslos zu werden und auf Hartz IV zu landen.

Über 40 Prozent der Azubis leisten regelmäßig Überstunden – davon 21 Prozent mehr als fünf pro Woche.

Insgesamt arbeitet die Mehrheit der Azubis über 40 Stunden in der Woche. Dazu kommen noch Berichtsheft, Zwischenprüfungen und und und.

Bei einer monatlichen Ausbildungsvergütung von im Durchschnitt 572,62 Euro ergibt sich ein Stundenlohn von 3,58 Euro. Von 249 Euro im Monat (FriseurIn, 2. Lehrjahr) kann man sich keine Wohnung finanzieren – genau das müssen aber immer mehr Azubis zwangsläufig, wenn sie nur einen Ausbildungsplatz weit weg von ihrem bisherigen Wohnort bekommen. Unabhängigkeit von den Eltern oder Ämtern gibt es während der Ausbildung fast nie.

Studium: Bachelor und Anwesenheitspflicht

Wegen Studiengebühren und erschwertem Zugang zu BaFöG müssen 65 Prozent der Studierenden nebenbei arbeiten. Wegen Pflichtveranstaltungen und verstärktem Prüfungsdruck im Bachelor/Master-Alltag kommt fast ein Drittel aller Studierenden auf eine Arbeitsbelastung von 50 und mehr Stunden pro Woche. Unialltag ist zum Stressfaktor geworden.

Ausweg: Kampf um Verbesserungen

Ziel der Bildungsproteste muss sein, Prüfungsdruck und Leistungsstress abzubauen. Das Turboabitur und das Bachelor/Master-System gehört abgeschafft. Demokratische Komitees von Lernenden, Lehrenden und GewerkschaftsvertreterInnen sollen über die Alternative entscheiden.

Wir brauchen eine Ausbildungsvergütung von der man leben kann. Das heißt 1400 Euro brutto im Monat. Die Arbeitszeiten müssen bei vollem Lohn gesenkt werden. Der große Stressfaktor, die Notwendigkeit, neben dem Studium oder Schule zu arbeiten, muss durch ein elternunabhängiges BaFöG in Höhe von 500 Euro plus Warmmiete überwunden werden. Ein Studien- oder Ausbildungsplatz im gewünschten Beruf für jede und jeden sowie die garantierte Übernahme für alle im erlernten Beruf würde den Konkurrenzdruck senken.

Ziel muss die umfassende Demokratisierung von Schulen und Unis sein. Die Ausbildung muss raus aus Unternehmerhand. Wo Lernende und Lehrende gemeinsam über Inhalte und Methoden entscheiden und selbst bestimmen können, was sie lernen möchten, kann viel Stress abgebaut werden. Eine Welt, in der niemand zum Frontalunterricht in linearer Algebra oder zum Goethe lesen gezwungen wird ist möglich! Wer nach Interesse und „Wissensbedarf“ entscheidet, was er oder sie lernt, kann das Gelernte besser nutzen und hat weniger Stress als jemand mit starrem Lehrplan, Ausbeutung im Betrieb oder Anwesenheitspflicht in der Uni.

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