„Griechen statt Kriechen!“
[Druckversion] Thema: Solidarität 92, Betrieb und Gewerkschaft, Gemeinsam gegen Sparpaket, Gesundheitsreform und Kürzungen, veröffentlicht: 08.07.2010
Interview mit Alexandra Arnsburg, Mitglied im
ver.di-Landesbezirks-Fachbereichsvorstand Berlin-Brandenburg im
Fachbereich 9*
„Das aktuelle Sparpaket ist ein weiterer negativer Meilenstein“,
heißt es in einer Resolution, die von der Bezirksfachbereichskonferenz
deines Fachbereichs am 18. Juni verabschiedet wurde. Überschrieben habt
ihr die Erklärung mit dem Slogan „Griechen statt Kriechen!“ Gefordert
werden von Euch auch Streiks bis hin zum eintägigen Generalstreik. Wie
verlief die Debatte auf der Konferenz?
Es gab einige Gegenreden, in denen die Frage aufgeworfen wurde, ob es
denn wirklich so schlimm sei und ob die Kollegen denn auf die Straße
gehen würden, wenn es einen Aufruf zum Generalstreik geben sollte.
Die Mehrheit muss diese Fragen jedoch für sich mit Ja beantwortet haben.
Ich denke, besonders die beeindruckenden Streiks in Europa haben hier
einen Einfluss gehabt. Die meisten haben einfach die Schnauze voll. Und
für die Beschäftigten ist der Streik das effektivste Mittel für
Widerstand.
Wie kann die Protestbewegung gegen den sozialen Kahlschlag weiter
aufgebaut werden?
Die Demonstrationen am 12. Juni in Berlin und Stuttgart waren ein toller
Anfang, doch dürfen die Gewerkschaftsführungen jetzt nicht in die
Sommerpause entlassen werden. Spätestens im September, wenn das
Sparpaket in die erste Lesung im Bundestag geht, sollte es eine
Massendemonstration geben.
Unsere Resolution fordert einen eintägigen Generalstreik, spätestens
nach dem europaweiten EGB-Aktionstag am 29. September. Um das zu
erreichen, müssen jetzt in allen Gliederungen Anträge eingebracht und
entsprechende Diskussionen geführt werden.
Es ist höchste Zeit, dass wir auch hier in Deutschland das Recht auf
politischen Streik erkämpfen. Wenn man es uns nicht zugesteht, müssen
wir es uns nehmen!
Im Rahmen der Kampagne „Gerecht geht anders“ plant ver.di für
September Betriebs- und Personalversammlungen. Wie kann das genutzt
werden, um den Widerstand zu stärken?
Die Kampagne liefert zahlreiche gute Argumente. Zu Recht wird
Schwarz-Gelb angeprangert. Schlecht ist aber, dass kein kritisches Wort
über SPD und Grüne verloren wird. Sind ihre Politiker es doch, die in
Ländern und Kommunen diese Kürzungen mit durchführen und sie in der
Vergangenheit auch im Bund vorangetrieben haben.
Die geplanten Betriebsversammlungen sollten dazu genutzt werden,
Vorschläge für effektiven Widerstand – wie Protestkundgebungen und
Arbeitsniederlegungen – zu diskutieren.
Welche Aufgaben stellen sich jetzt für aktive Kollegen? Was sollte jeder
Einzelne im Betrieb tun?
Jeder Kollege sollte sich mit Argumenten wappnen und zu den anstehenden
betrieblichen und gewerkschaftlichen Versammlungen gehen und dort
konkrete Anträge für Gegenwehr stellen. Gut ist es natürlich, wenn
mehrere Kollegen gemeinsam dorthingehen. Wo noch keine Versammlungen
feststehen, sollten bei den Betriebsgruppen- oder Ortsvorständen welche
eingefordert werden.
Jede Betriebsversammlung kann Resolutionen verabschieden und die an ihre
zuständige Gewerkschaft schicken. Das würde schon Eindruck machen, wenn
jede Woche von irgendwoher konkrete Protestaktionen gefordert werden.
Sollte es im Herbst eine bundesweite Großdemonstration geben, dann
sollten überall Anträge zur Unterstützung und für konkrete Mobilisierung
gestellt werden, vielleicht für so und so viele Plakate für die Betriebe
und so und so viele Busse zur Demo. Hier kann auch eine
Unterschriftenliste helfen.
Wichtig ist es, auf andere aktive Gruppen zuzugehen wie
Schülervertretungen, Asten oder örtliche Initiativen, und sich
gegenseitig zu Versammlungen und Aktionen einzuladen, damit der Protest
möglichst groß und breit wird.
*Angabe zur Funktion dient nur zur Kenntlichmachung der Person
Weitere Infos unter www.netzwerk-verdi.de
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