Wie weiter im Kampf gegen "Sparpaket", Gesundheitsreform und
Arbeitslosigkeit?
[Druckversion] Thema: Deutschland: Politik allgemein, Gemeinsam gegen Sparpaket, Gesundheitsreform und Kürzungen, veröffentlicht: 07.07.2010
Für den Aufbau einer Massenbewegung von Protesten, Streiks und
Generalstreiks
Nach den erfolgreichen Demonstrationen vom 12. Juni stellt sich die
Frage, wie es weiter geht im Kampf gegen die Angriffe von Regierungen
und Kapitalisten. In Gewerkschaften, DIE LINKE und Widerstandsbündnissen
wird diskutiert, was zu tun ist. Die Gewerkschaftsspitzen haben Proteste
für Oktober und November angekündigt. Am 13. Juli trifft sich der
Koordinierungskreis des bundesweiten Bündnisses "Wir zahlen nicht für
Eure Krise", das die Demos vom 12. Juni organisiert hatte.
von Sascha Stanicic, Berlin
SAV-Mitglieder haben in den letzten Wochen in Gewerkschaften, LINKE und
Bündnissen vor allem zwei Ideen hinein getragen:
Erstens: Um einen wirkungsvollen Kampf gegen das so genannte "Sparpaket"
und all die anderen Angriffe auf die Lohnabhängigen und Erwerbslosen zu
führen, bedarf es mehr als symbolischer Proteste. Wie in den Ländern
Südeuropas sind Massenstreiks und Generalstreiks dafür unverzichtbar.
Die Verantwortung hierfür liegt bei den Gewerkschaften. Diese sollten
unmittelbar eine Informations- und Mobilisierungskampagne zur
Vorbereitung eines eintägigen Generalstreiks durchführen. Diese sollte
Betriebs- und Vertrauensleutekonferenzen, Veranstaltungen und Aktionen
und Arbeitsniederlegungen am Aktionstag des Europäischen
Gewerkschaftsbundes, dem 29. September beinhalten.
Zweitens: Zum Aufbau einer Bewegung von unten und um die Forderung nach
konsequentem Widerstand nachdrücklich an die Gewerkschaftsführungen zu
richten, sollte Ende September oder Anfang Oktober eine bundesweite
Großdemonstration in Berlin stattfinden. Eine solche Demonstration würde
deutlich machen, dass mit Mobilisierungen nicht bis Ende Oktober/Anfang
November gewartet werden darf und könnte die Gewerkschaftsführungen
unter Druck setzen, von symbolischen Protesten zu echten Kampfmaßnahmen
über zu gehen. Sie könnte den wachsenden Unmut in der Arbeiterklasse
artikulieren und hätte sicher das Potenzial deutlich größer als die
Mobilisierung vom 12. Juni zu werden.
Dieser Vorschlag wurde in den letzten Wochen von den
Anti-Krisen-Bündnissen in Kassel und Berlin, der Linksjugend["solid] NRW
und anderen aufgegriffen. Leider zeichnet sich ab, dass DIE LINKE und
ver.di Berlin im Berliner Bündnis ihre anfängliche Unterstützung für
diese Idee zurück nehmen und ganz auf die offiziellen gewerkschaftlichen
Mobilisierungen im Oktober und November setzen. Damit verzichten sie
darauf eine Initiative zu ergreifen, die die Gewerkschaftsführungen in
Richtung politischer Streiks unter Druck setzen könnte und überlässt
diesen ganz die Initiative. Sie verzichten damit auch über Monate
darauf, mit einer konkreten Massenmobilisierung die sich entwickelnde
Bewegung gegen das “Sparpaket” weiter von unten aufzubauen.
Das ist ein schwerer Fehler und sollte bis zum Treffen des bundesweiten
Koordinierungskreises von diesen Kräften überdacht werden. Wenn möglich,
zum Beispiel durch den Landesparteitag der LINKEN in NRW an diesem
Wochenende, sollten weitere Beschlüsse für eine solche Demonstration
getätigt werden, um die Führungen weiter unter Druck zu setzen.
Sollten diese wesentlichen Kräfte jedoch eine Demonstration nicht
unterstützen werden sich auch andere Kräfte nicht an der Umsetzung einer
solchen Demonstration beteiligen. Wir halten es in einem solchen Fall
für wenig sinnvoll ausgehend von den relativ bescheidenen Kräften
einzelner Bündnisse in Berlin und anderswo an einer solchen
Demonstration festzuhalten, denn die Gefahr wäre groß, dass diese keine
Steigerung zum 12. Juni darstellen würde und viel Kraft kosten, aber
wenig Wirkung erzielen würde. Die Verantwortung für ein
Nichtzustandekommen dieser Demonstration läge dann bei der Partei DIE
LINKE und ver.di Berlin.
Aufgabe von kritischen GewerkschafterInnen, kämpferischen Gliederungen
in Gewerkschaften und LINKE, Bündnissen und anderen linken
Organisationen wäre es in einer solchen Situation die Debatte über die
Notwendigkeit von Streiks in ihre Organisationen zu tragen und
entsprechende Beschlüsse zu erwirken, massiv zu den Aktionen im Oktober
und November, vor allem die von der IG Metall angekündigten regionalen
Großdemonstrationen am 13.11., zu mobilisieren und dort die Forderung
nach einem Generalstreik massiv zu erheben.
Eine wichtige Rolle bei der Mobilisierung zu diesen Großdemonstrationen
und dem Aufbau einer breiten Widerstandsbewegung kann dabei der 29.
September spielen. An diesem Tag wird es einen europäischen Aktionstag
des Europäischen Gewerkschhaftsbunds geben, der zu einer
Großdemonstration nach Brüssel aufruft. zeitgleich wird es
Generalstreiks in Spanien und Griechenland geben. Es wäre die
Verantwortung der Gewerkschaften an diesem Tag auch in Deutschland
zumindest Arbeitsniederlegungen im öffentlichen Dienst und der
Großindustrie durchzuführen, um sich so am Kampf der europäischen
Arbeiterklasse gegen die Kürzungspakete in allen Ländern zu beteiligen.
Örtliche Gewerkschaftsgliederungen, DIE LINKE, Bündnisse und
AktvistInnen sollten versuchen durch lokale Aktionen, Kundgebungen,
Demonstrationen an diesem Tag den europäischen Aktionstag auch nach
Deutschland zu holen und dafür zu nutzen, ArbeiterInnen und Jugendliche
auf die Straße zu holen und so einen Beitrag für den weiteren Aufbau der
Bewegung zu leisten. SAV-Mitglieder werden Vorschläge dieser Art in
Gewerkschaften, LINKE und Bündnisse hinein tragen.
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