Der Aufbau neuer Arbeiterparteien und die Aufgabe von SozialistInnen
[Druckversion] Thema: CWI/KAI, Neue Linke - international, veröffentlicht: 31.07.2010
Diskussion auf der Sommerschulung des CWI
Am Dienstag, 13. Juli, richtete sich die Aufmerksamkeit bei der
Sommerschulung, die vom Komitee für eine Arbeiterinternationale (ebgl.
Abkürzung: CWI) Mitte Juli eine Woche lang in Belgien veranstaltet wurde
und an der mehr als 400 GenossInnen aus aller Welt teilnahmen, auf die
Frage des Aufbaus neuer Arbeiterparteien mit Massenbasis.
von Paul Murphy, Socialist Party (Schwesterorganisation der SAV
Irland)
Der Aufruf zum Aufbau solcher Parteien ist seit fast 20 Jahren in vielen
der CWI-Sektionen wesentlicher Bestandteil unseres politischen
Programms. Die Sommerschulung bildete die ideale Arena dafür, die
unterschiedlichen von den verschiedenen Sektionen bislang gemachten
Erfahrungen miteinander auszutauschen, die Perspektiven für die
Entwicklung neuer Parteien zu diskutieren und die wesentlichen
Schlussfolgerungen zu ziehen, was unsere zweigleisige Aufgabe angeht,
einerseits dabei unterstützend zu wirken, neue revolutionär-marxistische
Kräfte zu bilden und zweitens auf die Bildung neuer Massenparteien
hinzuwirken.
Die Diskussion einleitend gab Tony Saunois vom „Internationalen
Sekretariat“ des CWI zunächst einen Überblick über das, was sich in den
letzten Jahren entwickelt hat. Er erklärte, dass der Prozess der
Verbürgerlichung der ehemals sozialdemokratischen und „kommunistischen“
Parteien das grundlegende Element dafür war, das uns dazu bewog, zur
Gründung neuer Massen-Arbeiterparteien aufzurufen. Es war auch der
Prozess, in dem Parteien wie die „Labour Party“ in Britannien und die
Sozialdemokratische Partei (SPD) in Deutschland von Parteien mit einer
aktiven Basis in der Arbeiterklasse aber mit prokapitalistischer Führung
mehr und mehr zu Parteien wurden, die ihre Wurzeln verloren.
Andros aus Griechenland wies in der sich anschließenden Debatte darauf
hin, dass der Aufruf zum Aufbau neuer Arbeiter-Massenparteien heute in
vielerlei Hinsicht eine Fortsetzung der traditionellen Orientierung des
CWI auf die Massenbewegungen der Arbeiterklasse ist. In den 1960er,
-70er und -80er Jahren sei diese Taktik leicht vereinbar gewesen mit
einer Orientierung auf und einer Teilnahme an den traditionellen
sozialdemokratischen Parteien und manchmal auch an anderen Parteien.
Heute müssten wir diese Taktik hingegen anders anwenden. Vor allem auf
die Art und Weise, dass wir zur Gründung neuer Arbeiter-Massenparteien
aufrufen und in dieser Richtung arbeiten.
Seit dem maßgeblichen Rechtsruck der sozialdemokratischen Parteien,
wurden neue linke Formationen gebildet. Dennoch erreichte bis auf die
„Rifondazione Communista“ in Italien bislang keine dieser neuen
Strukturen entscheidenden Zulauf aus der Arbeiterklasse und wurde somit
zu einer echten Massenpartei. In der Diskussion wurden dafür zwei
wesentliche Gründe genannt: Der erste besteht darin, dass es bisher an
einem klaren linken, antikapitalistischen, sozialistischen Programm
mangelte, das ArbeiterInnen und Jugendliche im Zusammenhang mit der
aktuellen Krise des Kapitalismus angesprochen hätte. Zweitens deutet der
kontinuierlich festzustellende Mangel an Orientierung auf die Kämpfe und
Aktionen der Arbeiterklasse darauf hin, dass diese Parteien nicht von
den Kämpfen ergriffen wurden, zu denen es in ganz Europa gekommen ist.
Auf dieser Grundlage war die Entwicklung dieser Parteien wie auch die
Arbeit in ihnen recht kompliziert. Tony wies darauf hin, dass die Frage
neuer Arbeiterparteien ihre Antwort in der objektiven Lage findet, da es
für die Arbeiterklasse nicht möglich ist, über Nacht revolutionäre
Massenformationen hervorzubringen. Die Entwicklung breiter
Massen-Arbeiterparteien ist allgemein gesehen ein notwendiger Schritt,
um das Bewusstsein zu heben und zu revolutionären Massenparteien zu
kommen. Vor allem vor dem Hintergrund des heute festzustellenden Grades
an Klassenbewusstsein.
Weshalb beteiligen wir uns an neuen linken Parteien?
Eine Reihe GenossInnen berichteten davon, wie kompliziert es um die bis
dato herausgebildeten neuen Formationen steht. Fakt ist, dass die
Mehrheiten in den Führungen dieser Formationen sich selbst nicht als
diejenigen sehen, die eine klar oppositionelle Haltung gegenüber den
etablierten Parteien einzunehmen hätten. Eines der CWI-Mitglieder aus
Deutschland betonte, dass beispielsweise niemand in der Führung der
Partei DIE LINKE den Sozialismus als eine realistische Alternative zum
Kapitalismus betrachtet. Das kann dazu führen, dass die Arbeit in diesen
Strukturen bisweilen frustriert, da unsere Initiativen von der
Parteibürokratie fortwährend blockiert werden.
Sascha aus Deutschland stellte kurz dar, warum es für das CWI dennoch
wichtig ist, Teil dieser Parteien zu sein. Der Grund dafür liegt in den
Perspektiven, die diese Formationen und Parteien haben. Auf Grund ihrer
momentanen, nach außen wahrnehmbaren Politik ist es unwahrscheinlich,
dass die DIE LINKE kontinuierlich zu einer echten Massen-Arbeiterpartei
in Deutschland wird. Dennoch ist es möglich, dass die momentan
bestehenden Formationen eine Rolle dabei spielen werden, Massenparteien
der Arbeiterklasse zu bilden.
Tatsächlich bestehen innerhalb der Partei DIE LINKE zwei Parteien: eine
reformistische Arbeiterpartei und eine sozialliberale prokapitalistische
Partei. Es ist unerlässlich, dass Mitglieder der SAV (Sektion des CWI in
Deutschland) hinsichtlich o.g. Entwicklungsmöglichkeiten vor Ort sind.
Sie müssen eine klare linkssozialistische Politik vorantreiben und
versuchen, eine starke Linke zu organisieren, aus der eine Massenpartei
erwachsen kann. Eine andere Möglichkeit, die nicht von der Hand zu
weisen ist, ist die, dass die Partei durch Klassenkämpfe nach links zu
bewegen ist. Das könnte dann wiederum dazu führen, dass der rechte
Flügel sich abspaltet.
Wie an der Instabilität der neuen linken Formationen ablesbar, besteht
keine Möglichkeit darin, aus den sozialdemokratischen und
„kommunistischen“ Parteien der Nachkriegsära „einfach“ stabile
Arbeiterparteien werden zu lassen. Begründet wird dies durch die Natur
der ökonomischen Periode und die Krise, die zusammen dazu geführt haben,
dass es nicht dieselbe materielle Grundlage für Reformen gibt, wie sie
in der Nachkriegsphase von Reformisten noch vorangebracht werden
konnten. Vielmehr kam stattdessen die Frage auf, ob man sich an
Koalitionen mit kapitalistischen Parteien beteiligen und in Regierungen
eintreten sollte, die Angriffe auf die arbeitende Bevölkerung verübten.
Deshalb waren und sind diese neuen Formationen von Natur aus instabil,
weisen innere Spannungen auf und verzeichnen häufig auch Abspaltungen.
Die Reaktion der Linken auf die Wirtschaftskrise
Die neuen linken Formationen in den jeweiligen Ländern haben alle
unterschiedliche Wurzeln und somit auch verschiedenen Charakter. Die
„Neue Antikapitalistische Partei“(NPA) in Frankreich z.B. wurde von
einer trotzkistischen Organisation, der „Ligue Communiste
Revolutionaire“, gegründet, die sich politisch nach rechts entwickelte
und sich selbst zu Gunsten einer breiteren Formation auflöste. Auslöser
für den Prozess des Aufbaus der Partei DIE LINKE in Deutschland waren
FunktionärInnen der unteren und mittleren Organisationsebene der
Gewerkschaften, die 2004 mit der SPD brachen und die WASG bildeten.
Später vereinigte man sich mit den Überresten der ehemaligen
Regierungspartei Ostdeutschlands. Der Linksblock in Portugal wurde durch
das Zusammenkommen bereits bestehender linker Organisationen - vor allem
der MaoistInnen, TrotzkistInnen in der Tradition des „Vereinigten
Sekretariats der Vierten Internationale“ und EurokommunistInnen -
initiiert. „Syriza“ ist ein Bündnis linker Organisationen, von denen die
größte „Synaspismos“ ist, die aus einer Abspaltung von
EurokommunistInnen aus der „Griechischen Kommunistischen Partei“
hervorging.
Trotzdem sind Gemeinsamkeiten festzustellen. Die grundlegende ist, dass
allen die Tendenz anhängt sich zu bewegen. Und zwar nicht - durch den
Eindruck, den die ökonomische Krise hinterlassen müsste, nach links,
sondern nach rechts. Marco aus Italien hob bei seiner Bezugnahme auf die
Entwicklung der „Rifondazione Communista“ die Gefahren dieser
Verhaltensweise und bei der Beteiligung an kapitalistischen Regierungen
hervor. Die PRC, welche zu Hochzeiten über 100.000 Mitglieder zählte,
ist heute von ihrer rechtsorientierten Führung de facto zerstört und
CWI-Mitglieder führen Kampagnen zur Etablierung einer „Arbeiter-Linken“,
die sowohl alte als auch neue AktivistInnen mit einschließt.
Dimitrios aus Griechenland berichtete, wie zu einem bestimmten Zeitpunkt
der Entwicklung das „Syriza“-Bündnis 17,5 Prozent in den
Meinungsumfragen erringen konnte, dann aber hauptsächlich auf Grund des
politischen Zick-Zack-Kurses der Führung auf vier Prozent abfiel. Selbst
als die Führungsgremien formal sozialistische Positionen einnahmen,
trieb keineR ihrer öffentlich bekannten Vertreter diese Haltung
öffentlichkeitswirksam voran. Dimitrios kritisierte das neue Programm
von „Syriza“, das ihre Führung vorschlägt. Es beinhaltet ein Mischmasch
an Forderungen, ohne für ArbeiterInnen eine klare linke Alternative im
Zusammenhang mit der profunden Krise parat zu haben.
Das Ergebnis ist, dass „Syriza“ sich nun selbst in einer ernsthaften
Krisenlage befindet. Der „rechte“ Flügel von „Synaspismos“ (dem
stärksten Bündnispartner innerhalb von „Syriza“) hat bei jedem
Linksschwenk die Bremser-Rolle übernommen. Vor einem Monat spaltete sich
dieser rechte Flügel ab, und „Xekinima“ (Sektion des CWI in
Griechenland) begrüßte diese Abspaltung als Möglichkeit für
„Synaspismos“ und „Syriza“, eine entscheidende Bewegung nach links zu
tun. Unsere Position wurde dennoch von anderen angegriffen und führte
dazu, dass es zu etlichen Diskussionen kam und unsere Argumente
Beachtung fanden.
Cedric vom CWI sprach über die linken Kräfte in Portugal. Der Linksblock
spiegelt dort leider viel von der Schwäche wider, von der andere linke
Kräfte überall in Europa gekennzeichnet sind. Man hat auf die Krise
nicht wirkungsvoll reagiert, keine nennenswerten Vorschläge
hervorgebracht, mit denen ArbeiterInnen und Jugendliche hätten
mobilisiert werden können. Das vornehmliche Motto lautet weiterhin „Mehr
Gerechtigkeit in die Wirtschaft“, was natürlich für die keinen Schritt
vorwärts darstellt, die zu kämpfen bereit wären. Tatsächlich will ein
großer Teil der Führung des „Linksblocks“ eine sogenannte „moderne
Linke“ etablieren, die in der Realität eine Linke bedeutet, die
Klassenkampf als überkommen ansieht.
Lise, ein Mitglied von „Gauche Revolutionnaire“ (Sektion des CWI in
Frankreich), beschrieb, wie langsam die NPA reagiert und sich auf die
großen Kämpfe der ArbeiterInnen und RentnerInnen orientiert. So nutze
man beispielsweise die Rolle des landesweit bekannten NPA-Mitglieds
Olivier Besancenot, einem Postler, während des Postbeschäftigten-Streiks
nicht effektiv, um einzugreifen und zu versuchen, den korrekten Weg für
den Kampf voranzutreiben. Das spiegelt auch die Tatsache wider, dass die
Partei - wie viele andere neue linke Kräfte in Europa, sich viel zu sehr
mit Wahlen beschäftigt, statt auf den Klassenkampf in den Betrieben und
auf der Straße zu fokussieren.
Das CWI und die neuen linken Formationen
Innerhalb vieler dieser Parteien stellt sich zur Zeit zusammen mit
anderen vermehrt die Aufgabe des Aufbaus linker Oppositionsgruppen, um
dem Rechtsruck der Führungen entgegen zu wirken. So hat die CWI-Sektion
„Liberdade Socialismo e Revolucao“ in Brasilien eine wichtige Rolle
dabei gespielt, dass der linke Kandidat Plinio zum
Präsidentschaftskandidaten der „Partei Sozialismus und Freiheit“ (PSOL)
gewählt wurde.
Die CWI-GenossInnen in Frankreich haben eine entscheidende Rolle dabei
gespielt, eine linke Opposition innerhalb der NPA zusammen zu bringen.
Sie schafften es, in einer Abstimmung unter den Parteimitgliedern 30
Prozent für ihre eindeutig linkssozialistische Position zu gewinnen.
Innerhalb der linken Gruppierung „Solidaire“, die in Meinungsumfragen in
Quebec auf neun Prozent kommt, arbeiten unsere Mitglieder gemeinsam mit
anderen, um die Partei nach links zu bewegen. In Griechenland waren wir
ebenfalls in ähnlichen landesweiten Initiativen aktiv, und es ist
wahrscheinlich, dass wir dort zu einem bestimmten Zeitpunkt eine
ähnliche Entwicklung erleben werden wie innerhalb von DIE LINKE.
In Ländern, wo es bisher keine neuen linken Parteien gibt, sind unsere
Mitglieder in Kampagnen für eben solche Parteien involviert. Dort, wo
wir substantielle Kräfte haben, müssen wir auch eine entscheidende Rolle
spielen. Für Großbritannien trifft dies zu, wo wir bei der Gründung der
„Trade Unionist and Socialist Coalition“ (TUSC;
„Sozialistisch-gewerkschaftliche Koalition“) mithalfen, an der sich
kämpferische GewerkschafterInnen und SozialistInnen beteiligen, und die
auch bei den letzten Wahlen kandidierte.
Dave von der Socialist Party in England and Wales (Sektion des CWI in
England und Wales) beschrieb die schwierigen objektiven Bedingungen, mit
denen sich SozialistInnen bei den jüngsten Wahlen konfrontiert sahen.
Tiefgreifende Angst und Abneigung gegenüber den Konservativen trieben
viele zurück in die Arme der „Labour Party“, was dazu führte, dass
sämtliche kleine Parteien Verluste verzeichneten. Betont wurde, wie
wichtig es sei, die TUSC als Arbeitsfeld aufrecht zu erhalten.
Schließlich handelt es sich dabei um einen Schritt in Richtung Gründung
einer neuen Arbeiterpartei.
Michael aus Irland berichtete über unsere Arbeit dort im Bereich der
Aufbauversuche einer neuen Arbeiter-Massenpartei. Die politisch „rechte“
Natur nahezu der gesamten Gewerkschaftsführung bedeutet, dass es dort
äußerst unwahrscheinlich ist, einen „irischen Bob Crow“
(klassenkämpferischer Vorsitzender der britischen
Eisenbahnergewerkschaft RMT, A.d.Ü.) zu erleben. Allerdings bedeutet die
prominente Rolle, die die „Socialist Party“ (Sektion des CWI in Irland)
auf der Linken in Irland einnimmt, dass uns eine besondere Rolle bei der
Entwicklung einer neuen Formation zukommt, und wir eine
Schlüsselposition dabei einnehmen könnten. Da es sehr wahrscheinlich
ist, dass die „Irish Labour Party“ nach den nächsten Wahlen in die
Regierung mit eintreten wird, könnte die Gründung einer neuen Partei
einfacher werden. Zwischenzeitlich versucht die „Socialist Party“ für
die Wahlen über die Bildung eines linken Bündnisses zu verhandeln.
Entwicklungen in den Kommunistischen Parteien
Einer der Diskussionsfäden in der Debatte entspann sich an der Frage der
Notwendigkeit, die Entwicklungen in den Kommunistischen Parteien zu
verfolgen, die ebenfalls von der Krise beeinflusst werden könnten. Das
Beispiel der „Izquierda Unida“ („Vereinigte Linke“ in Spanien) wurde
herangezogen, um diesen Prozess zu verdeutlichen. Der neue Vorsitzende
dieser Partei spricht von Klassenkampf und bewegt sich nach links, was
ihn und die Partei für viele ArbeiterInnen und Jugendliche in Spanien
weitaus interessanter werden lässt.
Die portugiesische Kommunistische Partei bleibt mit 75.000 Mitgliedern
eine starke Kraft in der Arbeiterklasse und zieht weiterhin eine Schicht
junger Menschen an. Einschließlich der Führung der Gewerkschaft CGTP
hält sie ferner Schlüsselpositionen in der Arbeiterbewegung. Leider hat
sie jedoch einen sektiererischen Ansatz. So wird eine gemeinsame Arbeit
mit anderen Kräften abgelehnt und man hat kein Verständnis von der
Methode des Übergangsprogramms. So wird nicht versucht, eine Brücke
zwischen dem Widerstand gegen akute Kürzungen und für Sozialismus zu
bauen, für den man ja vorgibt einzutreten. Dennoch nehmen die
Diskussionen innerhalb dieser Partei und unter Mitgliedern, die sich
weiter nach links orientieren zu.
Sogar die KKE (Kommunistische Partei Griechenlands), eine offiziell
stalinistische Partei und äußerst sektiererisch im Auftreten, wird von
der Krise betroffen sein. Unsere Mitglieder aus Griechenland erklärten,
wie dies bereits geschehen ist. Nach jedem ernstzunehmenden Klassenkampf
verlassen ehrliche und aufrichtige ArbeiterInnen an der Basis die KKE,
weil diese einen extrem sektiererischen Ansatz vertritt. So organisiert
sie stets eigene und von anderen abgeschottete Demonstrationen mit ihrer
eigenen Gewerkschaftsorganisation PAME, anstatt sich in den von der
(sozialdemokratischen; Erg. d. Übers.) PASOK geführten Gewerkschaften
mit den ArbeiterInnen dort auseinander zu setzen.
Unsere Reaktion darauf - wo sowohl alte Kommunistische Parteien mit
wirklichen Wurzeln in der Arbeiterklasse vorhanden sind als auch neue
neue Formationen bereits bestehen, ist für Einheitsfront-Aktionen zu
argumentieren und gemeinsame Diskussionen zwischen beiden Parteien zu
arrangieren. Der Ansatz von „Syriza“ in Griechenland ist dort
weitestgehend korrekt, wo man wiederholt Aufrufe an die KKE richtet,
doch gemeinsam mit ihr Aktionen durchzuführen und für gemeinsame
Diskussionen einzutreten. Und das, obwohl das politische Programm von
„Syriza“ begrenzt ist. Wäre sie in den Umfragen bei 17,5 Prozent
geblieben und hätte sie mit dem damaligen Ansatz weitergemacht, so hätte
sie einen echten Eindruck auch auf die KKE gemacht.
Aus kleinen Gruppierungen werden Massenparteien
In seinem Schlusswort fasste Andros zusammen, dass die Organisierung von
politischen Massenparteien nicht notwendiger Weise über Nacht vor sich
geht. Bevor dieser Prozess vollendet war, brauchte es im Falle der
britischen „Labour Party“ Jahrzehnte. Ist aber einmal eine im
Klassenkampf verhaftete Partei etabliert, so wird es einfacher sein und
schneller gehen, einen solchen Prozess auch anderswo voranzubringen. Die
Beispiele Südeuropas in den 1960er und 1970er Jahren illustrieren, wie
schnell ein solcher Prozess vor dem Hintergrund der Krise vonstatten
gehen kann. In einer ganzen Reihe von Ländern bildeten sich, wie etwa am
Beispiel der „Sozialistischen Partei“ in Portugal im Zuge der
portugiesischen Revolution nachzuvollziehen, sehr kleine Gruppen sehr
rasch zu Massenparteien aus.
Die Wirtschaftskrise stellt jetzt einen entscheidenden Faktor bei der
Entwicklung neuer Arbeiterparteien dar. Sie wird auch über
Geschwindigkeit und Charakter dieser Entwicklungen entscheiden. Es ist
durchaus im Bereich des Möglichen, dass „Syriza“ und andere linke
Formationen unter dem Eindruck der ökonomischen Krise große Sprünge nach
links machen können. Allerdings ist es auch möglich, dass sie auf Grund
des Trends ihrer Führungen nach rechts das Schicksal der PRC heimsuchen
könnte.
Auch, wenn es sich nicht um einen stetigen Prozess nach vorne handelt,
so ist klar, dass sich in vielen Ländern Entwicklungen in Richtung neuen
Arbeiter-Massenparteien herauskristallisieren. Auf Grund der bislang
gemachten Erfahrungen ist ebenso klar, dass das CWI eine wichtige Rolle
bei diesen Entwicklungen spielen und ebenso auch unsere eigenen Kräfte
herausbilden kann, die für ein sozialistisches Programm kämpfen.
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