Hartz IV für Westerwelle
[Druckversion] Thema: Solidarität 88, Deutschland: Politik allgemein, veröffentlicht: 06.03.2010
Wir zahlen nicht für die Krise Eures Systems!
Manager und Superreiche können sich entspannen. Standen sie in
letzter Zeit im Visier der Öffentlichkeit, hat Guido Westerwelle von der
Mövenpick-Partei mal wieder ausgeholfen. Nicht Milliardenspekulationen
und Steuerbetrug sind das Problem, sondern: die Arbeitslosen.
von Holger Dröge, Berlin
Nachdem in der Wirtschaftskrise Unsummen zur Rettung der Banken und
Konzerne locker gemacht wurden, steht die entscheidende Frage noch aus:
Wer begleicht die ganzen Rechnungen dafür? Wenn es nach denen da oben
geht, dann sollen in nächster Zeit Milliarden von Euro bei Löhnen und
Sozialleistungen gekürzt werden. Und auch die Arbeitslosen sollen ihren
Beitrag leisten, weil Hartz IV laut Westerwelle „staatlich finanzierte
Faulheit“ ist. Damit macht sich Westerwelle für eine Verschärfung der
von Rot-Grün begonnenen und unter der Großen Koalition fortgesetzten
Agenda-Politik stark.
Aber er steht damit nicht allein. Auch Finanzminister Wolfgang Schäuble
von der CDU will mit einem neuen „Sparpaket“ Milliarden bei denen holen,
die fast nichts mehr oder nur wenig haben. Die Union hält sich derzeit
nur deshalb noch vornehm zurück, weil sie zunächst die Landtagswahl in
Nordrhein-Westfalen abwarten möchte.
Es soll noch härter kommen. Der Bundesverband deutscher Banken warnt
jetzt vor Altersarmut. Doch statt höherer Renten ist die Antwort
einfach: Man will uns zu einer privaten Altersvorsorge verpflichten.
Lohnerhöhungen sollen damit verrechnet werden. Für die deutschen Banken
ein neues Geschäft, mit dem sich wieder Milliarden verdienen lassen. Und
zu alledem steht uns auch noch die „Reform“ des Gesundheitswesens ins
Haus...
Damit dreht sich die Verarmungsspirale weiter. Armut und Hartz IV sind
heute schon kein Randproblem mehr. 1,4 Millionen Menschen müssen sogar
neben ihrem Lohn Hartz IV beziehen. 600.000 Menschen, die letztes Jahr
arbeitslos wurden, landeten gleich bei Hartz IV.
11,5 Millionen Menschen in Deutschland sind arm. Seit 1998 ist diese
Zahl um rund ein Drittel gestiegen. Auch jeder Vierte Jugendliche lebt
mittlerweile in Armut. 30 Prozent der Bevölkerung haben gar kein
Vermögen oder Schulden. Diese Menschen sind arm, weil andere reich sind.
Nicht die Almosen für Erwerbslose sind „spätrömische Dekadenz“, sondern
die jüngsten Bonuszahlungen für Banker. Und die „Stütze“, die vorne und
hinten nicht reicht, hat nichts mit „Sozialismus“ zu tun, sondern ist
Kapitalismus pur. Soll Westerwelle doch mal versuchen, selber einen
Monat von 359 Euro zu leben!
Sozialismus bedeutet, dass nicht länger eine kleine Minderheit das Sagen
hat, sondern die große Mehrheit über die Banken und Konzerne verfügt und
demokratisch entscheidet, was, wie, für wen gemeinsam produziert wird.
Wenn der gesellschaftliche Reichtum im Interesse von Mensch und Umwelt
genutzt wird, dann wird es auch keine Arbeitslosigkeit und keine Armut
mehr geben.
Holger Dröge ist Mitglied der SAV-Bundesleitung
SAV-Programm gegen Hartz IV
Es gibt etwas, was Westerwelle und die Ackermänner gern verschweigen:
Deutschland ist ein reiches Land. Über 800.000 Dollar-Millionäre und
sogar 54 Milliardäre leben in der Bundesrepublik. Die reichsten zehn
Prozent besitzen 60 Prozent allen Vermögens. Wenn gegen diese von der
arbeitenden Bevölkerung finanzierte Faulheit der Reichen angegangen
wird, dann kann auch mit Hartz IV Schluss gemacht werden.
- Weg mit Agenda 2010 und Hartz I bis IV
- Garantierte Mindestsicherung für Erwerbslose und Arbeitsunfähige und
Mindestrente von 750 Euro plus Warmmiete – ohne Bedürftigkeitsprüfung,
Schikanen und Durchleuchtung
- Sofortige Einführung eines Mindestlohns von zehn Euro pro Stunde als
erster Schritt zu einem Mindestlohn von zwölf Euro pro Stunde
- Nein zur Rente mit 67 – Senkung des Renteneinstiegsalters auf 58 Jahre
- Wir zahlen nicht für Eure Krise! Stattdessen: Eine Vermögenssteuer von
zehn Prozent ab einer Million Euro und 80 Prozent Spitzensteuersatz ab
500.000 Euro Jahreseinkommen
- Statt Entlassungen, Billigjobs und Massenarbeitslosigkeit: Einführung
der 30-Stunden-Woche bei vollem Lohn- und Personalausgleich. Verteilung
der vorhandenen sinnvollen Arbeit auf alle Arbeitsfähigen
- Für ein öffentliches Investitionsprogramm zur Schaffung von einer
Million Arbeitsplätzen jährlich in den Bereichen Bildung, Umwelt,
Gesundheit, Soziales
- Überführung in öffentliches Eigentum bei demokratischer Kontrolle und
Verwaltung von solchen Betrieben, die Entlassungen und Verlagerungen
vornehmen wollen
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