Teure Schlitten und billige Arbeitskräfte
[Druckversion] Thema: Berlin, Kommunalpolitik, veröffentlicht: 14.03.2010
Wie die Berliner Sozialarbeit zur Gelddruckmaschine wird
Vor wenigen Wochen gab es in Berlin einen Aufschrei wegen eines rund
100.000 Euro teures Dienstauto - einem Maserati Quattroporte. Besitzer:
Die gemeinnützige Treberhilfe. Ihre Aufgabe: Unterbringung von Berliner
Wohnungslosen. Kosten: mehrere Millionen Euro Zuschüsse jährlich vom
Land Berlin.
von Anne Engelhardt und Krischan Friesecke, Berlin
Im Fuhrpark der Treberhilfe stand bis vor wenigen Tagen ein Maserati
Quattroporte. Der Wagen diente dem Chef der Treberhilfe als Dienstwagen
inklusive Chauffeur. Mehrere BMW, sind immer noch Teil des Fuhrparks,
eine Villa in Caputh mit Blick auf den See - ebenfalls Eigentum der
Treberhilfe, soll als Schulungszentrum dienen, war aber gleichzeitig zum
Zweitwohnsitz des Geschäftsführers geworden.
Luxusgüter auf Kosten der Beschäftigten
Der Reichtum wurde durch die Beschäftigten der Treberhilfe finanziert.
So wurden Löhne weit unter Tarif gezahlt, so dass KollegInnen der
Treberhilfe zum Teil ihr Einkommen mit Hartz IV aufstocken mussten. Die
Treberhilfe erhielt öffentliche Gelder für ein bestimmtes Pensum,
bezahlte den KollegInnen aber nur die Hälfte der Arbeitsstunden, für die
sie Geld bekam. Klar, dass man so Profit machen kann.
Zudem hat der Verein seit 2001 keinen Betriebsrat mehr, der gegen diese
Bedingungen hätte aktiv werden können.
Die Treberhilfe hat sich den Luxus auf dem Rücken der KollegInnen
„erwirtschaftet“. Geschäftsführer Ehlert, geschätztes Monatseinkommen
etwa 35.000 Euro (fast doppelt so viel Angela Merkel), schwadronierte
immer wieder von „Social Profit“. Dieses Abzocke-Modell hat allerdings
wenig mit „Social“ zu tun. Vielmehr versteckt sich dahinter die
kapitalistische Konkurrenzlogik: Schließlich gibt Berlin jährlich 28
Millionen Euro allein für die Wohnungslosenunterstützung aus – ein
lukrativer Markt, um den sich dreißig Träger reißen. In Berlin war die
Treberhilfe dafür bekannt, die Tagessätze konkurrenzlos niedrig zu
halten, zu Lasten der KollegInnen und derer, denen sie helfen wollen.
Dabei gehört die Wohnungslosenhilfe eigentlich zur sozialen
Grundversorgung und müsste staatlich organisiert werden. Erschreckend
ist, dass tausende BerlinerInnen diese überhaupt in Anspruch nehmen
müssen, obwohl viele luxussanierten Wohnungen freistehen, während der
Anteil von Sozialwohnraum immer weiter zusammenschrumpft.
Rekommunalisierung Sozialer Aufgaben! Privatisierung stoppen!
Berlin ist pleite und führende PolitikerInnen auch von der LINKE
unterstützen die Übertragung kommunaler, sozialer Einrichtungen an freie
Träger. Das Argument: Die Aufgaben können somit erhalten bleiben, die
freien Träger seien günstiger, als die öffentliche Hand.
Warum die freien Träger weniger kosten, ist eindeutig: Die Löhne der
Beschäftigten sind bei gleicher Leistung wie im öffentlichen Dienst
oftmals um ein vielfaches niedriger. Die Verwendung der Fördermittel,
die durch Steuergelder finanziert werden, kann weder vom Land noch von
den Beschäftigten kontrolliert werden. Gleichzeitig versucht der Senat
nun solche Skandale wie den Maserati-Fall dafür zu nutzen, die
Sozialausgaben weiter zu kürzen anstatt die Aufgaben zu
rekommunalisieren.
Beschäftigtenvertretungen wie Betriebsräte haben es besonders schwer
sich in dem Klima aus Lohndrückerei und Ausbeutung - zwischen dem
Anspruch durch soziale Arbeit Menschen zu helfen und einen angemessenen
Lohn zu verdienen - zu behaupten.
"Ihr wollt doch, dass es den Kindern, (Senioren, Wohnungslosen, Eltern
etc.) gut geht!" Mit dem Argument der Geschäftsführung machen viele
Beschäftigte im Sozialbereich massiv Überstunden, nehmen Lohndumping und
Arbeitsüberlastung in Kauf.
Öffnung der Geschäftsbücher – Stoppt den Filz!
Sozialarbeit muss auch sozial gestaltet werden. Angefangen bei
ausreichender Ausstattung des Personals und Tariflöhnen bis hin zu einer
Offenlegung der Geschäftsstrukturen- und Büchern freier Träger um
nachvollziehen zu können, wo die staatlichen Mittel bleiben und wofür
sie verwendet werden. Die Mittel müssen für die Sozialarbeit verwendet
werden, nicht für teure Dienstwagen, Protzimmobilien, horrende
Beratergebühren oder fragwürdige Rücklagen. Unternehmen wie die
Treberhilfe sollten sofort rekommunlisiert und die Löhne der
Beschäftigten auf Tarifniveau angehoben werden. Keine Profite auf Kosten
der Beschäftigten! Jeder Träger muss eine Beschäftigtenvertretung haben,
die unabhängig von der Geschäftsleitung agieren kann und nicht an ihrer
Arbeit gehindert wird.
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